


Furcht und Freude durchströmen Mendelssohns Meeresstille und glückliche Fahrt. Schumanns zweite Symphonie führt vom Dunkel ins heilsame Licht. Daneben strahlt Khachaturians Violinkonzert rhythmisch- energetische Kraft aus.
Stille – besorgt betrachtet ein Schiffer die glatte Wasseroberfläche und fürchtet sich vor der drohenden Gefahr. Doch dann braust Wind auf, die Rettung ist in Sicht! Goethe hat diese Situation selbst erlebt und verarbeitet sie in seinen Gedichten Meeres Stille und Glückliche Fahrt. Eine Vertonung Beethovens für Chor und Orchester inspiriert Mendelssohn – er aber schreibt eine rein instrumentale Konzertouvertüre: Lebhafte Klanggemälde veranschaulichen das weite Meer und die Gefühle von Angst, Hoffnung und Freude.
14 Jahre später dirigiert Mendelssohn die Uraufführung von Robert Schumanns zweiter Symphonie. Als Schumann mit der Komposition beginnt, kämpft er mit Depressionen und Angstzuständen. Er flüchtet sich in die ausgiebige Beschäftigung mit Bachs Polyphonie, die ihn zu seiner Symphonie inspiriert. „In mir paukt und trompetet es seit einigen Tagen sehr“, schreibt er 1845 an Mendelssohn. Die Arbeit an der Zweiten holt ihn allmählich ins Leben zurück. Es scheint, als erzähle die Musik von seinem Heilungsprozess. „Erst im letzten Satz fing ich an mich wieder zu fühlen“. So versöhnt das harmonische Finale Schumanns innere Zerrissenheit.
Markus Stenz kombiniert die beiden Werke mit einem außergewöhnlichen Violinkonzert: Aram Khachaturian zählt neben Prokofjew und Schostakowitsch zu den wichtigsten sowjetischen Komponisten der 1930er- bis 1950er-Jahre. Seit seiner Jugend ist der Armenier von den Musiktraditionen des Kaukasus geprägt, die er in sein Violinkonzert einfließen lässt. Rhythmische Energie, lyrische Themen und spätromantische Schönheit ergänzen sich zu einem einzigartigen Kunstwerk. Der junge amerikanisch-belgische Geiger Stephen Waarts übernimmt den höchst anspruchsvollen Solopart, den nur wenige zu ihrem Repertoire zählen können.





