Also sprach Zarathustra von Richard Strauss ist eines jener Werke, die selbst Menschen kennen, die sich sonst kaum mit klassischer Musik beschäftigen – und das liegt nicht nur an seiner berühmten Einleitung. Tatsächlich ist die Tondichtung aus dem Jahr 1896 in mehrfacher Hinsicht außergewöhnlich.

Das Werk basiert lose auf dem gleichnamigen philosophischen Buch von Friedrich Nietzsche. Anders als man vielleicht erwarten würde, „erzählt“ Richard Strauss jedoch keine konkrete Handlung, sondern übersetzt zentrale Gedanken in Musik – etwa Spannungen zwischen Natur und Geist oder zwischen Glaube und Wissen. So entsteht weniger eine Geschichte als vielmehr eine Art klingendes Gedankenexperiment.
Herr Brignoli, würden Sie dieser Sichtweise zustimmen? Wie nähern Sie sich diesem Werk als Dirigent, und was ist Ihnen in der Gestaltung mit dem Orchester besonders wichtig?
©Miina Jung
"Strauss lässt sich von Nietzsche inspirieren, ohne dessen Gedanken didaktisch „illustrieren“ zu wollen; stattdessen verwandelt er sie in ein offenes, beinahe philosophisches Klangerlebnis."

"Ich stimme dieser Perspektive im Wesentlichen zu: Bei Strauss gibt es keine lineare Erzählung, sondern vielmehr eine Reihe von Bewusstseinszuständen. Er lässt sich von Nietzsche inspirieren, ohne dessen Gedanken didaktisch „illustrieren“ zu wollen; stattdessen verwandelt er sie in ein offenes, beinahe philosophisches Klangerlebnis. 

Als Dirigent entspringt mein Ansatz genau dieser Ambivalenz: Ich versuche nicht, eine einzige Interpretation aufzuzwingen, sondern die Spannungen innerhalb der Partitur hervorzuheben. Für mich ist es wesentlich, mit Kontrasten zu arbeiten – Licht und Schatten, Stille und Dynamik, Materie und Transzendenz –, denn dort erwacht das Werk zum Leben. Der so ikonische Anfang ist nicht einfach nur grandios: Er ist eine Geburt, eine Öffnung zu etwas Unbekanntem, und er muss sowohl feierlich als auch geheimnisvoll sein. 

Mit dem Orchester strebe ich nach großer Flexibilität im Klang. Diese Partitur erfordert eine äußerst präzise Kontrolle von Dynamik und Klangfarben, aber auch die Fähigkeit, eine beinahe improvisatorische Dimension entstehen zulassen, als ob die Musik im Moment ihres Entstehens gedacht würde. Anstatt Nietzsche zu „erklären“, möchte ich einen Raum schaffen, in dem der Hörer sich selbst hinterfragen kann, so wie es beim Lesen des philosophischen Textes geschieht."
©Sumo Sebi

Strauss und "A Space Odyssee"

Berühmt ist vor allem der monumentale Anfang, oft „Sonnenaufgang“ genannt: Ein tiefes Orgelpedal und ein mächtiger C-Dur-Akkord bauen eine gewaltige Klangarchitektur auf, die sich langsam entfaltet. Diese wenigen Takte sind so prägnant, dass sie später durch den Film 2001: A Space Odyssey weltweite Popkultur-Bedeutung erlangten. Doch das Werk besteht aus weit mehr als diesem ikonischen Moment. 

Ein besonderer Reiz liegt in der musikalischen Struktur. Strauss gliedert das Stück in mehrere Abschnitte mit philosophisch inspirierten Titeln wie „Von der Wissenschaft“ oder „Das Tanzlied“. Dabei kontrastiert er immer wieder unterschiedliche Klangwelten: streng fugierte, fast „gelehrte“ Passagen stehen neben ekstatischen, tänzerischen oder geradezu rauschhaften Momenten. Diese Gegensätze spiegeln die Spannungen in Nietzsches Denken wider.

Harmonisch geht Strauss ebenfalls weit: Das Werk bewegt sich ständig zwischen verschiedenen Tonarten und vermeidet eine klare, endgültige Auflösung. Besonders auffällig ist das Nebeneinander von C-Dur und H-Dur am Ende – zwei Tonarten, die eigentlich nicht „zusammenpassen“. Dieses offene, schwebende Schlussbild wird oft als musikalische Darstellung einer unbeantworteten philosophischen Frage gedeutet: Es gibt kein einfaches Fazit, keine eindeutige Wahrheit. 

Auch orchestral ist das Stück beeindruckend. Strauss nutzt ein riesiges Orchester mit Orgel, erweiterten Blechbläsern und einer enorm differenzierten Dynamik. Er kann innerhalb weniger Sekunden von fast unhörbarem Pianissimo zu überwältigender Klanggewalt wechseln. Gleichzeitig beweist er ein feines Gespür für Klangfarben – etwa in den solistischen Passagen für Violine oder Holzbläser. 

Was Also sprach Zarathustra letztlich so besonders macht, ist diese Verbindung aus philosophischem Anspruch, klanglicher Radikalität und unmittelbarer Wirkung. Es ist Musik, die sowohl intellektuell herausfordert als auch emotional überwältigt – und gerade dadurch bis heute fasziniert.
7. Akademiekonzert
Das Nationaltheater-Orchester präsentiert am 11. und 12. Mai 2026 sein 7. Akademiekonzert unter der Leitung von Generalmusikdirektor Roberto Rizzi Brignoli. Auf dem Programm stehen Werke von Richard Strauss und Wolfgang Amadeus Mozart. Den Solopart im berühmten Klavierkonzert Nr. 24 übernimmt Alfredo Perl.
© Büro Schramm für Gestaltung
Mit Till Eulenspiegels lustige Streiche zeichnet Richard Strauss ein präzises musikalisches Porträt der Schelmenfigur. Markante Motive, abrupte Wendungen und eine differenzierte Orchestrierung prägen das Werk, das zwischen Ironie und erzählerischer Zuspitzung changiert. Mit Mozarts Klavierkonzert Nr. 24 verschiebt sich der Schwerpunkt vom Erzählerischen auf eine konzentriert musikalische Form. Die Verbindung von klanglicher Dichte und formaler Klarheit prägt ihren Charakter. Alfredo Perl, der zu den profilierten Mozart-Interpreten seiner Generation zählt, verbindet in seinem Spiel strukturelle Klarheit mit klanglicher Differenzierung. 

Richard Strauss’ Also sprach Zarathustra beschließt das Programm. Das Werk entzieht sich einer linearen Dramaturgie; vielmehr reiht Strauss musikalische Gedanken aneinander, die von Friedrich Nietzsches gleichnamigem Text angeregt sind. Berühmt geworden ist vor allem der Beginn mit seiner strahlenden Fanfare – doch jenseits dieses ikonischen Moments entsteht ein vielschichtiges Gefüge aus Klangflächen, Brüchen und Übergängen. 

Mit diesem Programm wird der Mannheimer Strauss-Zyklus fortgesetzt.
©Miina Jung
GMD Roberto Rizzi Brignoli gibt einen Einblick, was ihn an diesem Programm besonders fasziniert und reizt.

Dieses Programm ist für mich etwas Besonderes, weil es scheinbar weit voneinander entfernte und doch tiefgründig miteinander verbundene Welten vereint. Auf der einen Seite die Ironie, Leichtigkeit und der fast theatralische Geist von Till Eulenspiegel; auf der anderen die dramatische und beinahe metaphysische Tiefe von Zarathustra. Dazwischen verkörpert Mozarts Konzert eine außergewöhnliche Balance: eine Musik, die formale Klarheit und innere Spannung vereint.

Was mich fasziniert, ist genau dieser Ausdrucksbogen: von Tills spielerischerund respektloser Geste über eine introspektivere und dramatischere Dimension bei Mozart bis hin zur beinahe kosmischen Reflexion Zarathustras.Es ist wie eine Reise vom lachenden Mann zum selbstkritischen Mann zum Mann, der sich dem Absoluten stellt.

Wenn ich meine Vision in einem Satz zusammenfassen müsste, würde ich sagen, dass es in diesem Programm um Freiheit geht: die Freiheit, ironisch zusein, tragisch zu sein, nach Sinn zu suchen, der über das unmittelbar Begreifliche hinausgeht. Und vielleicht ist es das Zitat von Nietzsche, das mich am meisten berührt, wenn auch indirekt: „Man muss Chaos in sich haben, um einen tanzenden Stern zu erzeugen.“ Es ist ein Bild, das sich meiner Meinung nach durch das gesamte Programm zieht – von Tills Lächeln bis zu Zarathustras Morgendämmerung.
Nachdem die ursprünglich angekündigte Fagottistin Rie Koyama ihr Mitwirken aufgrund des geltenden Mutterschutzes absagen musste, freuen wir uns sehr, dass unsere orchestereigene Fagottistin Antonia Zimmermann die Solopartie im 6. Akademiekonzert übernimmt. 

Auf dem Programm am 13. und 14. April steht Carl Maria von Webers meisterhaftes Konzert für Fagott und Orchester – eines der bedeutendsten Werke der Fagottliteratur. Mit einer Mischung aus lyrischen Passagen, brillanter Virtuosität und charaktervollem Dialog zwischen Soloinstrument und Orchester wird Antonia Zimmermann die klangliche Vielfalt und Ausdruckskraft ihres Instruments erstrahlen lassen.
© Franziska Gilli
Seit 2016 ist Antonia Zimmermann Solofagottistin des Nationaltheater-Orchesters Mannheim. Sie studierte bei Prof. Georg Klütsch in Köln und war während des Studiums Mitglied des European Union Youth Orchestra, der Orchesterakademie des Schleswig-Holstein Musik Festivals sowie der Jungen Deutschen Philharmonie. Meisterkurse bei Klaus Thunemann und Dag Jensen runden ihre Ausbildung ab. 

Sie ist regelmäßig zu Gast im Konzerthausorchester Berlin, bei den Göteborger Symphoniker, bei der Deutschen Radiophilharmonie Saarbrücken-Kaiserslautern, in der NDR Radiophilharmonie, der Deutschen Kammerphilharmonie Bremen und im Münchner Kammerorchester. Seit 2024 arbeitete Antonia Zimmermann außerdem im Orchester der Bayreuther Festspiele mit Dirigenten wie Daniele Gatti, Pablo Heras Casado und Christian Thielemann zusammen. 

Solistisch war sie mit der Deutschen Staatsphilharmonie Rheinland-Pfalz, den Solistes Européens Luxembourg und den Hofer Symphonikern zu hören sowie 2019 mit dem Nationaltheater-Orchester in Richard Strauss‘ Duett-Concertino. 

Darüber hinaus gilt ihre besondere Leidenschaft der Kammermusik: Mit dem Acelga Quintett ist sie Stipendiatin des Deutschen Musikrats und der Oscar und Vera Ritter Stiftung sowie Preisträgerin des Internationalen Musikwettbewerbs der ARD in München 2014. Es folgten Konzerte beim Rheingau Musik Festival, beim Bachfest Leipzig, bei den Festspielen Mecklenburg-Vorpommern und beim Festival Spannungen in Heimbach. Zu ihren Kammermusikpartnern zählen unter anderem Ensembles und Künstler wie das Armida Quartett, das Gémeaux Quartett, Sarah Christian, Antje Weithaas, Claudio Bohórquez und Sharon Kam.

Mit Antonia Zimmermann als Solistin darf sich das Publikum somit auf eine interpretatorisch wie persönlich besonders spannende Perspektive auf das Werk freuen – präsentiert von einer Musikerin, die das Orchester aus dem Inneren heraus kennt und zugleich als vielseitige Solistin und Kammermusikerin geschätzt wird.
Mit „Die Moldau“ aus dem Zyklus Má vlast schuf Bedřich Smetana ein klingendes Symbol Böhmens. Die sinfonische Dichtung zeichnet den Lauf des Flusses von den Quellen bis nach Prag nach. Naturbilder, Volksfeste und dramatische Stromschnellen verdichten sich zu musikalischer Identität. Das berühmte Hauptthema, Sinnbild des stetigen Fließens, entstand 1874, als Smetana bereits vollständig taub war. Ein Werk innerer Klangvision.
©  Silvano De Forheger, Teatro Regio Torino
Auch die Symphonie Nr. 8 G-Dur op. 88 von Antonín Dvořák ist von Naturerfahrung und Heimatverbundenheit durchzogen. Zwischen pastoraler Ruhe, tänzerischer Energie und strahlender Heiterkeit entfaltet sich eine Musik voller melodischer Fülle und klanglicher Weite. Beide Werke verbindet die Sehnsucht nach einer intakten, lebendigen Welt – ein inneres Band, das bis in die Gegenwart reicht. 
© Zuzanna Jagodzinska, Nils Ole Peters
Genau hier setzt das Violinkonzert von Thorsten Encke an. Encke versteht Musik als „Lebendigkeit des Klangs“ – als ein Geschehen, das sich im Moment entfaltet. Sein Konzert ist viersätzig, doch die Sätze gehen ohne Pause ineinander über: flight, fright, fringe und unbridled joy with a touch of madness beschreiben eine Entwicklung von flirrender Bewegung über Verdunkelung und fragile Zwischenräume bis hin zu einer fast ekstatischen Ausgelassenheit.

Enckes Konzert ist dabei bewusst polyphon gedacht: Die Solovioline agiert als prima inter pares, das Orchester ist ihr ebenbürtiger Partner. Reverenzen an das große Violinkonzert von Ludwig van Beethoven blitzen auf, etwa in der markanten Rolle der Pauke, werden jedoch in eine zeitgenössische Klangsprache transformiert. 

Unter der Leitung von Michał Nesterowicz und mit Tianwa Yang als Solistin entsteht so ein Programm, das Naturpoesie des 19. Jahrhunderts und heutige Klangforschung miteinander verbindet. Zwischen Moldau und moderner Klangvision spannt sich ein Bogen, der zeigt: Die Fragen nach Heimat, Natur und Lebendigkeit sind zeitlos, doch ihre musikalischen Antworten verändern sich.
Die Auftragskomposition der Musikalischen Akademie des Nationaltheater-Orchesters Mannheim e. V. wird ermöglicht durch die großzügige Unterstützung der Firma Lochbühler Aufzüge GmbH, Frau Dr. Maike-Tjarda Müller / Kanzlei Dr. Müller, Herrn Peter Römer sowie einer anonymen Spende. Ihnen gilt unser großer Dank.
Im 4. Akademiekonzert der Musikalischen Akademie Mannheim am 2. und 3. Februar 2026 steht mit Gustav Mahlers Symphonie Nr. 6 eines der eindrucksvollsten Werke der spätromantischen Orchesterliteratur auf dem Programm. Das Nationaltheater Orchester Mannheim spielt unter Leitung von GMD Roberto Rizzi Brignoli im Mozartsaal des Rosengartens.
© Musikalische Akademie
Das Interview von Stefan M. Dettlinger mit Roberto Rizzi Brignoli: Mannheims Generalmusikdirektor über Musik, Kultur und Mut.
Link Mannheimer Morgen
Zum Werk
Mahlers Sechste, häufig als „Tragische“ bezeichnet, zeichnet ein kompromissloses musikalisches Panorama von großer emotionaler Spannweite: Strenge Marschrhythmen, scharf konturierte Kontraste und eine hoch expressive Instrumentation prägen den Charakter der Symphonie. Besonders das Finale mit seinen berühmten Hammerschlägen verdichtet die existenzielle Dramatik des Werkes zu einer eindringlichen Aussage.

Mahler widmete die Symphonie seiner Frau Alma und integrierte darin ein musikalisches Motiv, das er selbst als ihr klangliches Porträt verstand. Umso bemerkenswerter ist Almas zwiespältige Reaktion auf das Werk: Sie empfand dessen Grundcharakter als zu düster, das Andante hingegen als zu schön im Verhältnis zur übrigen Ausrichtung der Symphonie. Verunsichert änderte er mehrfach die Abfolge von Scherzo und Andante – eine Entscheidung, die bis heute Gegenstand musikwissenschaftlicher Diskussionen ist. Für GMD Roberto Rizzi Brignoli ist es eine Premiere: Mit der „Sechsten“ nimmt er sich zusammen mit dem NTO zum ersten Mal eine Mahlersymphonie vor.
 © Musikalische Akademie


Gustav Mahlers Symphonie Nr. 6 nimmt innerhalb seines sinfonischen Schaffens eine besondere Stellung ein. Sie gilt bis heute als eines der eindringlichsten Werke des Komponisten und wird aufgrund ihrer Dramatik und düstren Atmosphäre bis heute häufig als die „Tragische“ bezeichnet.

Mahler widmete die Symphonie seiner Frau Alma und integrierte darin ein musikalisches Motiv, das er selbst als ihr klangliches Porträt verstand. Umso bemerkenswerter ist Almas zwiespältige Reaktion auf das Werk: Sie empfand dessen Grundcharakter als zu düster, das Andante hingegen als zu schön und idyllisch im Verhältnis zur übrigen Ausrichtung der Symphonie. Diese Kritik traf Mahler empfindlich. Verunsichert änderte er mehrfach die Abfolge von Scherzo und Andante – eine Entscheidung, die bis heute Gegenstand musikwissenschaftlicher Diskussionen ist und die innere Spannung des Werkes zusätzlich unterstreicht.

Eine der eindrücklichsten Besonderheiten der Sechsten findet sich im Finale. Hier greift Mahler zu einem bis dahin unerhörten Klangmittel: Ein großer Holzhammer schlägt mit dumpfem, beinahe vernichtendem Ton auf eine massive Holzkiste. Ursprünglich sah Mahler drei solcher Hammerschläge vor, strich jedoch später den dritten aus der Partitur. Oft wird diese Entscheidung mit den schweren Schicksalsschlägen in Verbindung gebracht, die kurz nach der Komposition folgten – dem Tod seiner Tochter Maria, der Diagnose einer schweren Herzkrankheit und dem Ende seiner Tätigkeit als Direktor der Wiener Hofoper.

Unabhängig von biographischen Deutungen prägen die Hammerschläge den Charakter des Finales entscheidend: Sie bieten keinen versöhnlichen Ausblick, stattdessen verleihen Sie dem Schluss eine schonungslose Konsequenz und machen sie zu Mahlers wohl radikalstem Werk. 

Im 4. Akademiekonzert widmet sich GMD Roberto Rizzi Brignoli Mahlers Sechster Symphonie, die er am 2. und 3. Februar erstmals gemeinsam mit dem Nationaltheater-Orchester im Mozartsaal des Rosengartens aufführt.
3. Akademiekonzert
Am 8. und 9. Dezember 2025 präsentiert des Nationaltheater-Orchester unter der Leitung von Ingo Metzmacher zwei ikonische Werke der Orchestermusik. Als langjähriger Begleiter der Musikalischen Akademie und seit dem letzten Jahr ihr Ehrenmitglied steht er für musikalische Präzision und stilistische Klarheit.
© FeliXbroede
Als Solist ist Barry Douglas zu erleben, der 1986 mit dem Gewinn der Goldmedaille beim Internationalen Tschaikowski-Klavierwettbewerb weltweit bekannt wurde. Dazu passend interpretiert er im Rosengarten Tschaikowskis erstes Konzert für Klavier und Orchester. Das wohl bekannteste Klavierkonzert der Musikgeschichte verbindet heroische Dramatik mit lyrischer Wärme und fordert sowohl große technische Virtuosität als auch feinsinnige Klanggestaltung. 

Im zweiten Teil erklingt die Suite aus Igor Strawinskys Feuervogel - ein zauberhaftes, wie mythisches Klangmärchen. Strawinsky schafft durch seine orchestrale Farbenpracht, von schillernden Holzbläsern über Harfe bis hin zu mächtigen Blechbläsern, eine geheimnisvolle Atmosphäre, die das dramatische Märchen um Prinz Iwan, den Feuervogel und den bösen Magier Kastchej lebendig werden lässt. Rhythmisch komplex und mit markanten Spannungsbögen entfaltet die Suite unter Ingo Metzmacher ihre ganze Wirkung.

Im 2. Akademiekonzert am 17. und 18. November stehen unter der Leitung von GMD Roberto Rizzi Brignoli zwei herausragende Werke des 20. Jahrhunderts auf dem Programm: Béla Bartóks Zweites Violinkonzert, interpretiert von Olga Pogorelova, Konzertmeisterin des NTO, und Sergej Rachmaninows Zweite Symphonie.

Den Auftakt bildet Bartóks Violinkonzert Nr. 2, an dem der Komponist ab 1937 fast zwei Jahre arbeitete. Das Werk vereint folkloristische Anklänge, romantische Klangpoesie und moderne harmonische Ideen in einer eigenständigen Form. Auf Wunsch seines Auftraggebers, des Geigers Zoltán Székely, komponierte Bartók das Konzert in traditioneller dreisätziger Anlage und entwickelte dennoch seine charakteristischen Variationen und kontrastreichen Motive. Konzertmeisterin Olga Pogorelova übernimmt den anspruchsvollen Solopart und wird Bartóks vielschichtige Klangwelt mit Präzision, Ausdruckskraft und feinsinniger Musikalität zum Leuchten bringen. 

Im zweiten Teil des Abends erklingt Rachmaninows Zweite Symphonie, ein Hauptwerk der russischen Spätromantik. Nach dem Misserfolg seiner ersten Symphonie durchlebte Rachmaninow eine tiefe Schaffenskrise, bevor er in Dresden neue Inspiration fand. Mit schwärmerischen Melodien, epischen Bögen und großen dynamischen Steigerungen entfaltet die Symphonie eine überwältigende emotionale Kraft, die zwischen Schmerz und Hoffnung schwebt. Das Konzert unter der Leitung von GMD Roberto Rizzi Brignoli verspricht einen Abend, an dem die kontrastreichen Stimmungen und opulenten Klangfarben des Werkes eindrucksvoll zur Geltung kommen.
1. Akademiekonzert
Mit einem Programm, das von impressionistischen Klangwelten bis zu sinfonischer Monumentalität reicht, eröffnet die Musikalische Akademie Mannheim am 6. und 7. Oktober 2025 im Rosengarten Mannheim ihre neue Saison. Generalmusikdirektor Roberto Rizzi Brignoli stellt Maurice Ravel in den Mittelpunkt: Zwei seiner zentralen Orchesterwerke rahmen den Abend. Ergänzt werden sie durch die von Ravel instrumentierten Bilder einer Ausstellung von Mussorgski sowie das Cellokonzert Nr. 1 von Camille Saint-Saëns, interpretiert von Daniel Müller-Schott.
© Uwe Arens
Saint-Saëns’ Konzert, 1873 in Paris uraufgeführt, gilt bis heute als eines der bedeutendsten Beiträge zur Celloliteratur. Mit seiner Verbindung von Virtuosität und melodischer Eleganz eröffnet es dem Solisten zahlreiche Ausdrucksmöglichkeiten. In Mannheim übernimmt diese Rolle der international renommierte Cellist Daniel Müller-Schott, dessen differenziertes und zugleich kraftvolles Spiel ihn zu einem gefragten Gast der großen Orchester weltweit gemacht hat. 

Ravels Daphnis et Chloé – Suite Nr. 2 eröffnet das Konzert mit impressionistischen Klangflächen von hoher atmosphärischer Dichte. Das Werk, 1912 für das Ballets Russes komponiert, wird oft als Höhepunkt der französischen Orchestermusik zu Beginn des 20. Jahrhunderts bezeichnet. Einen besonderen Kontrast bilden Mussorgskis Bilder einer Ausstellung in Ravels Instrumentierung. Mit feinem Gespür für orchestrale Farben überträgt Ravel den Klavierzyklus in eine sinfonische Dimension. Den Abschluss bildet La Valse, 1920 komponiert, in dem Ravel die traditionelle Form des Wiener Walzers in ein von Dynamik und Abgründigkeit geprägtes Tongemälde überführt. 

Das Konzert wird von SWR Kultur mitgeschnitten und am 23. November 2025 im Abendkonzert ab 20.03 Uhr gesendet.
Dirigentenwechsel beim 8. Akademiekonzert am 23. und 24. Juni
Die Dirigentin des 8. Akademiekonzerts, Anna Rakitina, muss ihr Engagement krankheitsbedingt leider absagen. Wir wünschen ihr eine rasche Genesung und freuen uns zugleich sehr, dass Kerem Hasan kurzfristig das Dirigat im Mozartsaal übernimmt. Der britische Dirigent gehört zu den vielversprechendsten Talenten seiner Generation. Internationale Erfahrung sammelte er u. a. mit dem Concertgebouworkest, dem London Symphony Orchestra, dem SWR Symphonieorchester und dem Toronto Symphony Orchestra. Von 2019 bis 2023 war er Chefdirigent des Tiroler Symphonieorchesters Innsbruck. 

Wir sind dankbar, mit Kerem Hasan einen erfahrenen und musikalisch profilierten Künstler für diese kurzfristige Übernahme gewonnen zu haben – und laden Sie herzlich ein, ihn im 8. Akademiekonzert live zu erleben.
© Marco Borggreve
Kerem Hasan gilt als einer der vielversprechendsten jungen britischen Dirigenten. 2017 gewann er den renommierten Young Conductors Award bei den Salzburger Festspielen und war von 2019 bis 2023 Chefdirigent des Tiroler Symphonieorchesters Innsbruck. 

In der Saison 2024/25 dirigiert er u. a. das Danish National Symphony Orchestra, die Dresdner Philharmonie, das Staatsorchester Stuttgart und das City of Birmingham Symphony Orchestra. Debüts führen ihn zum Residentie Orkest, Antwerp Symphony Orchestra, Izmir State Symphony Orchestra und Orchestre symphonique de Québec. 

Im Opernbereich leitete er u. a. Carmen und Così fan tutte an der English National Opera, Die Zauberflöte in Glyndebourne, The Rake’s Progress mit Glyndebourne on Tour sowie La forza del destino an der Welsh National Opera. Des Weiteren dirigierte er u. a. das London Symphony Orchestra, das SWR Symphonieorchester, das ORF Radio-Symphonieorchester Wien, das Toronto Symphony Orchestra und das Yomiuri Nippon Symphony Orchestra. 

Er assistierte seinem Mentor Bernard Haitink u. a. beim Symphonieorchester des Bayerischen Rundfunks, beim Concertgebouworkest und beim Chicago Symphony Orchestra. Kerem Hasan wurde 1992 in London geboren und studierte Dirigieren am Royal Conservatoire of Scotland sowie bei Johannes Schlaefli an der Zürcher Hochschule der Künste.
vision string quartet zu Gast beim 8. Akademiekonzert
Im Rahmen des 8. Akademiekonzerts der Musikalischen Akademie dürfen wir ein Ensemble begrüßen, das die Grenzen der klassischen Musik neu definiert: das vision string quartet. Wir freuen uns sehr auf ihren Besuch und sind besonders gespannt auf die Uraufführung  von Florian Willeitner, die an diesem Abend zum ersten Mal im Mozartsaal erklingen wird.
© Harald Hoffmann
Ein Quartett mit Vision
Seit seiner Gründung im Jahr 2012 in Berlin hat sich das vision string quartet als eines der innovativsten Streichquartette seiner Generation etabliert. Die vier Musiker – Florian Willeitner (Violine), Daniel Stoll (Violine), Sander Stuart (Viola) und Leonard Disselhorst (Violoncello) – verstehen sich gleichermaßen als klassisches Quartett und als Band. Mit ihrer einzigartigen Fähigkeit, zwischen klassischem Repertoire und eigenen Kompositionen aus Genres wie Jazz, Pop, Rock und Funk zu wechseln, stellen sie die klassische Konzertwelt auf den Kopf. Ihre Auftritte führen sie in renommierte Säle wie die Elbphilharmonie Hamburg, den Kammermusiksaal der Berliner Philharmonie oder die Wigmore Hall in London. Dabei scheuen sie nicht vor unkonventionellen Konzertformaten zurück – etwa in völliger Dunkelheit oder mit eindrucksvollem Licht- und Videodesign. Ihr Debütalbum memento wurde 2020 mit dem Opus Klassik für die beste Kammermusikeinspielung ausgezeichnet. Das Nachfolgealbum Spectrum, das ausschließlich Eigenkompositionen enthält, wurde von den Musikern selbst produziert.

Florian Willeitner – Komponist und Geiger 
Florian Willeitner ist Violinist, Komponist und Arrangeur mit einem besonderen Fokus auf genreübergreifende Musik zwischen Klassik, Jazz und Weltmusik. Er studierte bei Benjamin Schmid am Mozarteum Salzburg, wo er 2017 sein Masterstudium mit Auszeichnung abschloss. 2016 gewann er den 2. Preis beim International Zbigniew Seifert Competition, 2022 wurde er mit dem Bayerischen Kunstförderpreis ausgezeichnet. Neben seiner Tätigkeit als Erster Geiger des vision string quartet ist Willeitner Mitbegründer und künstlerischer Leiter der Produktionsfirma Pool of Invention. Kompositionsaufträge erhielt er unter anderem vom Tonkünstlerorchester Niederösterreich, dem Musikfest Stuttgart, der Salzburger Mozartwoche sowie von renommierten Solisten wie Rolando Villazón und Benjamin Schmid. Seine Werke werden weltweit bei bedeutenden Festivals und in großen Konzertsälen aufgeführt.

Tradition der Uraufführungen 
Die Musikalische Akademie des Nationaltheater-Orchesters Mannheim e. V. pflegt seit vielen Jahren die Tradition, jedes Jahr eine neue Komposition in Auftrag zu geben und zur Uraufführung zu bringen. Diese Praxis unterstreicht das Engagement der Musikalischen Akademie für zeitgenössische Musik und die Förderung neuer Kompositionen. Bereits seit der Saison 1991/92 werden in diesem Rahmen regelmäßig Auftragswerke präsentiert – eine in der deutschen Orchesterlandschaft einzigartige Kontinuität.

Die diesjährige Auftragskomposition wurde ermöglicht durch die großzügige Unterstützung der Familie Limbourg sowie gefördert durch die Karin und Carl-Heinrich Esser Stiftung und die Heinrich-Vetter-Stiftung. Für dieses wertvolle Engagement bedanken wir uns sehr herzlich.

Mezzosopranistin Gerhild Romberger ist für das 7. Akademiekonzert am 26. und 27. Mai 2025 bei uns zu Gast in Mannheim und singt die Alt-Rhapsodie von Johannes Brahms. Wir haben ihr vor den Proben drei Fragen zum Werk und ihrer Spezialisierung im Konzertgesang gestellt.
© Rosa Frank
Sie werden in unserem Konzert die Alt-Rhapsodie von Brahms singen – ein Werk, in dem Goethes Gedicht Harzreise im Winter musikalisch umgesetzt wird. Wie gelingt es Brahms, die Stimmung von Goethes Gedicht in seine Komposition zu übertragen?

Brahms hat eine einzigartige Fähigkeit, Text in Musik zu verwandeln, und das zeigt sich in der Alt-Rhapsodie ganz besonders. Die dunkle, suchende Stimmung von Goethes Versen spiegelt sich in der tiefen, oft melancholischen Orchesterfarbe wider. Die chromatische Harmonik, die drängenden Linien und die sehnsuchtsvollen Wendungen der Singstimme machen die innere Zerrissenheit der lyrischen Figur spürbar. Erst mit dem Einsatz des Chores verwandelt sich diese Einsamkeit in eine Art Trost – ein wunderschönes Beispiel für Brahms’ feines Gespür für emotionale Tiefe.

Sehen Sie in diesem Werk besondere Herausforderungen – sei es vokal, interpretatorisch oder emotional?

Ja, die Alt-Rhapsodie ist ein Werk, das von der Sängerin große Ausdruckskraft und gestalterische Sensibilität verlangt. Vokal ist es herausfordernd, die langen, fließenden Linien mit der nötigen Tragfähigkeit zu gestalten, ohne dass die Intensität darunter leidet. Interpretatorisch ist die Balance zwischen innerer Verzweiflung und der späteren hoffnungsvollen Wendung eine spannende Aufgabe. Emotional ist das Werk besonders berührend, weil es so tief in die Seelenlandschaft eines verzweifelten Menschen eintaucht – und genau das macht es für mich so faszinierend.

Sie haben sich auf den Konzertgesang vom Barock bis hin zu zeitgenössischer Musik spezialisiert. Was hat Sie an dieser Ausdrucksform besonders gereizt, und welche künstlerischen Freiheiten oder Herausforderungen sehen Sie darin im Vergleich zur Oper?

Der Konzertgesang bietet mir eine ganz besondere künstlerische Freiheit. Während die Oper stark durch szenische Vorgaben geprägt ist, liegt im Konzert die gesamte Ausdruckskraft in der Musik und im Text selbst. Das erfordert eine andere Art der Gestaltung – alles muss über die Stimme, die Phrasierung, die Klangfarben vermittelt werden. Gleichzeitig empfinde ich die enge Verbindung zum Orchester oder Ensemble als etwas sehr Besonderes. Im Konzertgesang geht es oft um eine tiefere, unmittelbarere musikalische Kommunikation, und diese Vielseitigkeit, von Barock bis zur Moderne, empfinde ich als große Bereicherung.

Brahms und Liszt im Akademiekonzert
Am 26. und 27. Mai 2025 laden GMD Roberto Rizzi Brignoli und das Nationaltheater-Orchester Mannheim zum 7. Akademiekonzert – und bringen dabei Musik und Literatur in einen besonderen Dialog: Schauspielerin Ragna Pitoll wird mit Auszügen aus Goethes Trilogie der Leidenschaft einen literarischen Akzent setzen, der den geistigen Raum der romantischen Epoche auf eindrucksvolle Weise erweitert.

Goethes Texte fügen sich inhaltlich in ein Programm, das zentrale Themen der Romantik aufgreift: Brahms’ Alt-Rhapsodie, basierend auf einem Vers aus Goethes Harzreise im Winter, ist ein eindringliches Klangbild existenzieller Vereinsamung und innerer Zerrissenheit. Die Altpartie, gesungen von Mezzosopranistin Gerhild Romberger, verleiht dieser seelischen Not eine unmittelbare, klanglich geerdete Stimme. Sie scheint stellvertretend für einen Menschen zu sprechen, der sich von der Welt entfremdet hat – ein Motiv, das in Goethes Lyrik ebenso anklingt wie in Brahms’ expressiver Tonsprache.

Liszts Faust-Symphonie entfaltet in drei Charakterbildern – Faust, Gretchen und Mephistopheles – eine psychologische Dramaturgie, die Goethes Figuren musikalisch interpretiert und ihre inneren Konflikte erlebbar macht. Der zweite Satz zeichnet das Porträt Gretchens in sanfter, gesanglicher Lyrik und lässt ihre emotionale Tiefe sowie ihre innere Reinheit durchscheinen. Der dritte Satz stellt einen scharfen Kontrast dar: Mephistopheles greift Fausts Themen auf, verzerrt sie jedoch durch eine ironische, zerrüttete Klangsprache. Im abschließenden Epilog übernimmt Christopher Diffey den Tenorpart.
26./27.05.2025
Erstmals erhält das Akademiekonzert eine literarische Stimme: Schauspielerin Ragna Pitoll bereichert das Programm mit ausgewählten Texten aus Goethes Trilogie der Leidenschaft. An beiden Konzertabenden liest sie die bewegenden Passagen „Elegie“ und „Aussöhnung“ – eindringliche Reflexionen über Liebe, Verlust und Versöhnung, die sich thematisch mit der Musik des Abends verweben.
© Fabian Raabe
Zur Person:
Ragna Pitoll studierte an der Hochschule für Schauspielkunst »Ernst Busch« in Rostock. Es folgten Engagements u.a. in Rostock, am Deutschen Schauspielhaus Hamburg, in Dortmund, Heidelberg, Wiesbaden, Mainz, Düsseldorf und zuletzt in Stuttgart. Seit 2003 gehört Ragna Pitoll zum Ensemble des Nationaltheaters Mannheim. Neben ihrer Arbeit am Theater ist sie immer wieder in Film- und Fernsehrollen zu sehen wie zuletzt im »Taunuskrimi«, im Stuttgarter Tatort »HAL« oder demnächst im Tatort „EX IT“.
Im 6. Akademiekonzert am 17. und 18. März 2025 ist Pianistin Suzana Bartal unter der Leitung von Marc Minkowski mit Edvard Griegs Klavierkonzert in Mannheim zu Gast. Vor Beginn der Proben haben wir uns mit ihr über das Werk und ihre Arbeitsweise und Vorbereitung vor Auftritten unterhalten.
© Emilie Moysson
Gibt es Stellen in Griegs Klavierkonzert, die für Sie besonders herausfordernd oder bewegend sind und wenn ja, warum?

“Ich denke, dass der folkloristische Charakter, der sich durch das gesamte Werk zieht, eine besonders eindrucksvolle melodische und rhythmische Struktur bietet. Durch die meisterhafte Orchestrierung und harmonische Gestaltung sowie das außergewöhnlich schöne thematische Material nimmt dieses Werk einen zentralen Platz im Repertoire der Klavierkonzerte ein. Für den Solisten ist insbesondere die große und sehr virtuose Kadenz im ersten Satz ein entscheidender und spektakulärer Moment.”

Was ist Ihrer Meinung nach der Schlüssel zu einem guten Zusammenspiel zwischen Klavier und Orchester in diesem Werk?

“In diesem Werk entfalten der Pianist und das Orchester ein höchst inspirierendes Zusammenspiel: Entweder fügen sich Solist und Orchester auf wunderbare Weise ineinander, indem sie einander thematisch ergänzen und gemeinsam dramatische Phrasen aufbauen, oder das Orchester schafft eine klanglich reiche und harmonisch facettenreiche Grundlage, mit der der Solist in einen lebendigen Dialog tritt. Die Orchestration ist dabei so meisterhaft gestaltet, dass der Klavierpart selbst in den klanglich opulenten Passagen des Orchesters stets klar und strahlend hervortritt.”

Könnten Sie uns etwas über Ihre Arbeitsweise und Vorbereitung für ein Konzert erzählen?

"Die Vorbereitung auf ein Konzert ist immer eine aufregende Reise, da sie sowohl langfristige als auch kurzfristige Ziele bedeutet. “Auf längere Sicht muss man sich zunächst mit dem Werk vertraut machen, es auswendig lernen und, wenn es sich um ein Konzert handelt, auch den Orchestertteil erarbeiten. In der Vorbereitungsphase und mit dem Näherrücken der Aufführung versuche ich zu dem Stück eine tiefe Verbindung aufzubauen und eine ganz persönliche Sichtweise zu finden, dabei jedoch die Hinweise des Komponisten mit größter Sorgfalt zu respektieren. Ich bin fest davon überzeugt, dass sich bei genialen Komponisten die meisten ihrer musikalischen Intentionen bereits durch aufmerksames Studium der Partitur offenbaren. Unsere Aufgabe als Interpreten besteht dann darin, die Musik mit unserer eigenen Persönlichkeit zum Leben zu erwecken und jenes magische Zusammenspiel mit dem Publikum entstehen zu lassen.”

Wie gehen Sie an eine Komposition heran, die Sie schon oft gespielt haben und wie an eine, die Sie zum ersten Mal in einem Konzert spielen?

“Ein bereits aufgeführtes Werk erneut zu erarbeiten, gleicht der Rückkehr an einen wohlvertrauten Ort – die Erfahrung des Einstudierens und Aufführens ist bereits vorhanden. Gleichzeitig offenbart sich mit jeder neuen Interpretation eine weitere Facette der Musik, und jede Aufführungssituation ist einzigartig. Gerade darin liegt ihr besonderer Reiz. Bei einem völlig neuen Werk hingegen ist ein längerer Vorbereitungsprozess erforderlich. Es gehört zur Aufgabe eines konzertierenden Künstlers, einschätzen zu können, wie viel Zeit und Arbeit ein Stück benötigt. Dabei spielt es eine wesentliche Rolle, ob mir ein Werk bereits durch das Hören vertraut ist – selbst wenn ich es noch nie selbst gespielt habe. Das Gehirn besitzt die erstaunliche Fähigkeit, gespeicherte musikalische Eindrücke zu nutzen und so Abkürzungen im Einstudierungsprozess zu schaffen.”
Im 6. Akademiekonzert steht am 17. und 18. März Dirigent Marc Minkowski am Pult des Nationaltheater-Orchesters. Mit seiner stilistischen Raffinesse und klanglichen Sensibilität wird er gemeinsam mit Pianistin Suzanna Bartal den Naturbezug in der Musik in den Fokus rücken.
© Benjamin Chelly
Den Auftakt bildet Griegs Klavierkonzert – ein Werk, das nordische Weite mit romantischer Emphase verbindet. Bereits der markante Eröffnungsschlag des Soloinstruments setzt ein expressives Zeichen, dem sich kantable Linien und tänzerische Elemente anschließen. Die französisch-ungarische Pianistin Suzanna Bartal wird mit ihrem feinsinnigen Gespür für Ausdruck und Struktur die kontrastreichen Spannungsfelder dieses Meisterwerks ausleuchten.

Den zweiten Teil des Abends widmet das Nationaltheater-Orchester Beethovens Sinfonie Nr. 6, besser bekannt als Pastorale. Dieses Werk zählt zu den frühesten programmatischen Sinfonien und spiegelt seine tief empfundene Naturverbundenheit wider. In fünf poetisch betitelten Sätzen entfaltet sich eine vielschichtige Klanglandschaft: von der friedvollen Heiterkeit ländlicher Szenen über das ausgelassene Treiben eines Dorffestes bis hin zum Aufziehen eines Gewitters, das schließlich in einen verklärten Dankgesang mündet. Unter der Leitung von Marc Minkowski, dem berühmten Spezialisten für historische Aufführungspraxis, wird das Nationaltheater-Orchester die feinen Nuancen und die emotionale Bandbreite dieses Meisterwerks authentisch zum Ausdruck bringen.

6. Akademiekonzert 2024/25

Rosengarten Mannheim, Mozartsaal 
Montag, 17. und Dienstag, 18. März 2025
20 Uhr, Einlass 19:00 Uhr 
Einführungsveranstaltung 19:15 Uhr

Marc Minkowski 
Dirigent

Suzanna Bartal 
Klavier

Nationaltheater-Orchester Mannheim

Programm

Edvard Grieg (1843—1907) 
Konzert für Klavier und Orchester 
a-Moll op. 16 

Ludwig van Beethoven (1770—1827) 
Symphonie Nr. 6 F-Dur op. 68 
Pastorale
Zum 5. Akademiekonzert am 17. und 18. Februar 2025 präsentiert die Ausnahmebratschistin Tabea Zimmermann ihre eigene instrumentierte Fassung von Bartóks Konzert für Viola und Orchester. Wir haben ihr vorab drei Fragen zu ihrer Interpretation des Werkes und ihrer Verbundenheit zur Musikalischen Akademie gestellt.
Tabea Zimmermann © Marco Borggreve
Was macht Bartóks Violakonzert für Sie so einzigartig - und wie spiegelt sich das in Ihrer Interpretation wider?

Bartóks Bratschenkonzert ist nach wie vor eines der größten und schönsten Konzerte, die es für mein Instrument gibt. Béla Bartók schrieb es für den wunderbaren William Primrose und hat uns mit dem musikalischen Material ein vielschichtiges und abwechslungsreiches Solokonzert geschenkt, mit dem man das Instrument Bratsche auch so wunderbar vielseitig präsentieren kann. Die Bratsche singt, tanzt, weint, tröstet, ist nachdenklich, sportlich und zum Ende hin ausgelassen… einfach alles da.

Durch Ihre Arbeit mit Bartóks Handschriften haben Sie eine eigene Fassung erarbeitet. Was war Ihr wichtigstes Ziel dabei? 

Mein Blick auf das Konzert hat sich insbesondere durch die Veröffentlichung der Handschrift des Komponisten verändert. Bis 1995 kannte man nur die vom befreundeten Komponisten Tibor Serly vollendete Fassung, für die man zwar dankbar sein muss, die aber sehr viele Probleme aufwirft, da Serly sich viele Freiheiten genommen hat bei der Erstellung einer kompletten Fassung der - zugegebenermaßen - schwer lesbaren Handschrift und der offensichtlich nicht ganz fertig auskomponierten Orchesterstimmen. Durch das jahrelange Studium der Handschrift wollte ich vor allem die von Serly hinzugefügten bzw. veränderten Töne in der Solostimme rückgängig machen und musste dazu auch die ein oder andere Änderung am Orchestermaterial vornehmen. Es war ein jahrelanges Probieren und ist auch weiterhin ein work in progress, denn auf viele Fragen gibt es keine endgültige Antwort. Serly hatte die Instrumentation gewählt, hat Dynamik, Tempi, Phrasierung festgelegt und eben einiges nach nicht nachvollziehbaren Kriterien verändert. Mit der eigenen Fassung habe ich versucht, meine Interpretation des vorhandenen Materials in eine spielbare Version zu formen. Diese fast archäologische Arbeit hat neben viel Arbeit auch sehr viel Freude gemacht und mich in viele Werke von Bartók eintauchen lassen.

Sie haben Bartóks Violakonzert bereits in der Saison 89/90 in Mannheim gespielt. Wie hat sich Ihr Blick auf das Werk seither verändert? 

Es freut mich, dass ich meine Sicht auf das Werk noch einmal in Mannheim spielen darf. Mir ist als Künstlerin bei all meinen Konzerten wichtig, die schwarzen Pünktchen auf dem Notenpapier lebendig zum Klingen zu bringen und meine Interpretation immer wieder zu hinterfragen, neue Ansätze auszuprobieren und in ein organisch wirkendes Ganzes einzufügen.
Das 5. Akademiekonzert am 17. und 18. Februar 2025 widmet sich drei beeindruckenden Werken rund um die Themen Liebe, Tod und Wandel. Zum Auftakt erklingt Wagners Vorspiel und Liebestod aus Tristan und Isolde unter der Leitung von Generalmusikdirektor Roberto Rizzi Brignoli. Dem gegenübergestellt wird Bartóks Violakonzert. Zum Abschluss rundet das Werk Tod und Verklärung von Richard Strauss den Abend thematisch ab.
GMD Roberto Rizzi Brignoli © Miina Jung
Roberto Rizzi Brignoli, Generalmusikdirektor des Nationaltheater-Orchesters Mannheim, setzt im 5. Akademiekonzert seinen Strauss-Zyklus mit dem vielschichtigen Werk Tod und Verklärung fort. Die 1890 uraufgeführte Tondichtung beschäftigt sich auf eindrucksvolle und berührende Weise mit den Thematiken Liebe und Tod und entspricht somit ganz dem Zeitgeist der Spätromantik. Dazu gesellt sich Wagners Vorspiel und Liebestod aus Tristan und Isolde, welches die Geschichte einer vollkommenen, wenn auch tragischen Liebe erzählt. Wagner und Strauss und deren kraftvolle Tonsprache gehören zum Kernrepertoire des NTOs.

Solistin des Abends ist Tabea Zimmermann, die seit Jahrzehnten eine Sonderstellung unter Bratschistinnen innehat. Sie präsentiert eine selbst instrumentierte Fassung des vom Komponisten Béla Bartók zu Lebzeiten nicht mehr vollendeten Werks.

5. Akademiekonzert 2024/25

Rosengarten Mannheim, Mozartsaal 
Montag, 17. und Dienstag, 18. Februar 2025, 
20 Uhr, Einlass 19:00 Uhr 
Einführungsveranstaltung 19:15 Uhr 

GMD Roberto Rizzi Brignoli 
Dirigent 

Tabea Zimmermann 
Viola 

Programm 

Richard Wagner (1813—1883) 
Vorspiel und Liebestod aus 
Tristan und Isolde 

Béla Bartók (1881-1945) 
Konzert für Viola und Orchester Sz 120 

Richard Strauss (1864-1949) 
Tod und Verklärung op. 24

Das 4. Akademiekonzert am 20. & 21. Januar 2025 zeigt die Bandbreite orchestraler Ausdrucksmöglichkeiten exemplarisch auf: Im Fokus stehen Johannes Brahms’ Symphonie Nr. 2 und Frank Martins Konzert für sieben Blasinstrumente, Pauken, Schlagzeug und Streicher – zwei Werke, die durch ihre kompositorische Raffinesse und klangliche Vielfalt faszinieren.


© Benjamin Ealovega                      
Eröffnet wird das Konzert mit Robert Schumanns Ouvertüre aus Genoveva, einem selten aufgeführten Werk, das dramatische Impulse und lyrische Passagen eindrucksvoll miteinander verbindet. Einen spannenden Kontrast dazu bildet Frank Martins Konzert für sieben Blasinstrumente, Pauken, Schlagzeug und Streicher. Das Werk beeindruckt mit seiner rhythmischen Vielschichtigkeit und stellt höchste Ansprüche an die orchestereigenen Solistinnen und Solisten, deren virtuose Interpretation wesentlich zur klanglichen und strukturellen Präzision des Stückes beiträgt.

Brahms’ 2. Symphonie in D-Dur gilt als Paradebeispiel für die organische Verbindung von motivischer Arbeit und formaler Klarheit. Besonders auffällig ist der stets zwischen Melancholie und Optimismus mäandernder Grundton des Werks, der sich von der pastoralen Atmosphäre des ersten Satzes bis zur triumphalen Coda im Finale entfaltet. Die subtilen Übergänge zwischen den Satzteilen und die meisterhafte Verarbeitung der musikalischen Themen laden ein, die polyphone Struktur und die motivische Entwicklung aus der Nähe zu betrachten.

4. Akademiekonzert 2024/25 
Rosengarten Mannheim, Mozartsaal 
Montag, 20. und Dienstag, 21. Januar 2025 
20 Uhr, Einlass 19:00 Uhr 
Einführungsveranstaltung 19:15 Uhr 

Pablo González 
Dirigent 

Nationaltheater-Orchester Mannheim 

Programm 
Robert Schumann (1810—1856) 
Ouvertüre aus Genoveva 

Frank Martin (1890—1974) 
Concerto für 7 Blasinstrumente, Pauken, Schlagzeug und Streichorchester 

Johannes Brahms (1833—1897) 
Symphonie Nr. 2 D-Dur op. 73

Unsere hauseigenen Solistinnen und Solisten präsentieren im 4. Akademiekonzert am 20. und 21. Januar 2025 das hochvirtuose Konzert für sieben Blasinstrumente, Pauken, Schlagzeug und Streichorchester von Frank Martin. 

Das 1949 komponierte Instrumentalkonzert spiegelt Martins progressive Musikanschauung bemerkenswert dialogisch wider. Durch die Verschmelzung von Bläsern und Schlagzeug entsteht eine außergewöhnliche Klangsynergie, die von unseren Musikerinnen und Musikern gekonnt umgesetzt wird.

Anissa Baniahmad - Flöte 
Daniela Tessmann - Oboe 
Patrick Koch - Klarinette 
Eberhard Steinbrecher - Fagott 
Teodor Blagojevic - Horn 
Alexander Schuhwerk - Trompete 
João Bastos - Posaune 
Stefan Rupp - Pauke

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