

Zur Weihnachtszeit lädt ein märchenhaftes Programm zum Träumen ein: Russische Melancholie und mächtige Klangschönheit charakterisieren sowohl Glières Harfen- konzert als auch Tschaikowskis fünfte Symphonie.
Ein außergewöhnliches Instrument verzaubert uns zur Weihnachtszeit: Die Harfe leuchtet graziös in warmen Klangfarben. Reinhold Glières Konzert entsteht 1938 in Moskau – es herrschen unruhige Zeiten. Unbeirrt bleibt Glière dem Geist der Romantik treu: Mit sehnsuchtsvollen Klängen entführt er in eine bessere Welt, fern von Stalins Diktatur und dem nahenden Zweiten Weltkrieg. Wertvolle Unterstützung erhält der Komponist von Xenia Erdeli, einer Kollegin am Moskauer Konservatorium. Die renommierte Harfenistin gibt ihm technische Ratschläge und spielt die Uraufführung. Es entsteht ein facettenreiches und virtuoses Konzert – in Mannheim interpretiert von Anneleen Lenaerts, Soloharfenistin der Wiener Philharmoniker und eine der herausragenden Harfenistinnen unserer Zeit.
„Nach jeder Aufführung komme ich immer mehr zu der Überzeugung, dass meine letzte Symphonie ein misslungenes Werk ist“ – Es ist kaum vorstellbar, dass Tschaikowski so unzufrieden mit der Fünften war, zählt sie doch zu seinen beliebtesten Symphonien. Seine Aussage spiegelt seine innere Krise und seine Selbstzweifel wider, die er auch in der Komposition verarbeitet. Erschütternd und bewegend ist die Grundstimmung des ersten Satzes, zu dem Tschaikowski in sein Skizzenbuch notiert: „Völlige Ergebung in das Schicksal“. Die folgenden Sätze sind von überschwänglichen Gefühlen durchzogen: sanfte Melancholie, tänzerische Ausgelassenheit, feuriger Triumph und Euphorie. Doch unterschwellig bleibt die Bedrohung spürbar: Man kann dem Schicksal nicht entrinnen. Vielleicht ist es gerade diese Ambivalenz, die einen spannungsreichen roten Faden erzeugt. Nach einer Überarbeitung schließt Tschaikowski endlich Frieden mit seiner Komposition: „Ich habe sie wieder liebgewonnen.“





