

Mit der neunten Symphonie wird Gustav Mahler zum Wegbereiter für die Musik des 20. Jahrhunderts. Mit progressiver Technik und emotionaler Intensität beleuchtet er eindringlich das Thema Abschied.
„Das erste Werk der Neuen Musik“ – so wird Mahlers neunte Symphonie von Alban Berg bezeichnet. Denn Mahler verlässt traditionelle Muster, überschreitet mutig die Grenzen der Tonalität und wird so zum Wegbereiter für eine neue musikalische Epoche.
Nach der gigantisch groß besetzten achten Symphonie hat die Neunte wieder eine rein instrumentale, viersätzige Form und einen schlankeren Orchesterapparat. Damit ähnelt sie zwar Mahlers früheren Symphonien, zeugt aber durch ihre schwebende Harmonik, Zerrissenheit und energetische Spannung von einer nie dagewesenen Komplexität. Über das Hauptmotiv des ersten Satzes notiert Mahler „Leb’ wol“ – ein Gedanke, der später als Todesahnung mystifiziert wird. Tatsächlich wird Mahler die Uraufführung am 26. Juni 1912 in Wien nicht mehr erleben: Er stirbt ein Jahr zuvor an den Folgen einer Herzkrankheit. Die neunte Symphonie bleibt sein letztes vollendetes Werk.
Abschied, Erlösung und Auferstehung sind immer wieder als zentrale Themen in Mahlers Musik verwoben. Die Neunte ist ein Spiegel dieser tiefgründigen Auseinandersetzung und erzählt eindrucksvoll vom Werden und Vergehen. Im Gegensatz zu früheren Symphonien mündet sie nicht in eine Apotheose – Mahler verzichtet diesmal auf einen prunkvollen Höhepunkt. Nach einem anrührenden Klagegesang verklingt die Musik – leise, doch voll durchdringender Innerlichkeit.





