


Böhmischer Barock
Barocke Lebensfreude trifft auf böhmische Melancholie – was sich zunächst nach einem perfekten Match anhört, ist dem heutigen Publikum nahezu unbekannt.
„Genie auf Augenhöhe mit Bach“ titelt der Bayerische Rundfunk schon 2016, und gemeint ist der tschechische Organist und Komponist Jan Dismas Zelenka. Seine berührende Melodik, die meisterhafte Beherrschung des Kontrapunkts und ein wegweisend-modernes Wort-Ton-Geflecht in 21 Messen: Der Vergleich mit dem berühmten Leipziger Thomaskantor liegt nahe. Vermutlich kannten sich die beiden sogar: Bach besaß Abschriften zelenkascher Werke. Doch während der Lutheraner seinen mitteldeutschen Wirkungskreis kaum verließ, reiste der katholische Zelenka bis nach Wien und Italien. Bei aller Eigenständigkeit – leicht mediterrane Einflüsse finden sich in vielen seiner Werke.
Es ist das große Verdienst Václav Luks’ und seines Collegium 1704, dass wir den Namen Zelenkas heute wieder häufiger auf den Programmzetteln lesen. Grund genug, ihn für eine Kammerakademie einzuladen und die schöne Reihe in historisch informierter Aufführungspraxis damit fortzusetzen. Übrigens erstmals in der Mannheimer Schlosskirche, dem Ort also, wo zwei Jahre nach Zelenkas Tod ein gewisser Franz Xaver Richter in die Saiten seines Kontrabasses griff … Richters überaus virtuose Kompositionen geben nun seinen „Ururururenkeln“, unseren heutigen NTO-Solisten, den Raum, ihr Können unter Beweis zu stellen – sicher ganz im Sinne ihres berühmten Vorfahren!





