Schicksal und Klang: Mahlers Sechste im 4. Akademiekonzert


Gustav Mahlers Symphonie Nr. 6 nimmt innerhalb seines sinfonischen Schaffens eine besondere Stellung ein. Sie gilt bis heute als eines der eindringlichsten Werke des Komponisten und wird aufgrund ihrer Dramatik und düstren Atmosphäre bis heute häufig als die „Tragische“ bezeichnet.

Mahler widmete die Symphonie seiner Frau Alma und integrierte darin ein musikalisches Motiv, das er selbst als ihr klangliches Porträt verstand. Umso bemerkenswerter ist Almas zwiespältige Reaktion auf das Werk: Sie empfand dessen Grundcharakter als zu düster, das Andante hingegen als zu schön und idyllisch im Verhältnis zur übrigen Ausrichtung der Symphonie. Diese Kritik traf Mahler empfindlich. Verunsichert änderte er mehrfach die Abfolge von Scherzo und Andante – eine Entscheidung, die bis heute Gegenstand musikwissenschaftlicher Diskussionen ist und die innere Spannung des Werkes zusätzlich unterstreicht.

Eine der eindrücklichsten Besonderheiten der Sechsten findet sich im Finale. Hier greift Mahler zu einem bis dahin unerhörten Klangmittel: Ein großer Holzhammer schlägt mit dumpfem, beinahe vernichtendem Ton auf eine massive Holzkiste. Ursprünglich sah Mahler drei solcher Hammerschläge vor, strich jedoch später den dritten aus der Partitur. Oft wird diese Entscheidung mit den schweren Schicksalsschlägen in Verbindung gebracht, die kurz nach der Komposition folgten – dem Tod seiner Tochter Maria, der Diagnose einer schweren Herzkrankheit und dem Ende seiner Tätigkeit als Direktor der Wiener Hofoper.

Unabhängig von biographischen Deutungen prägen die Hammerschläge den Charakter des Finales entscheidend: Sie bieten keinen versöhnlichen Ausblick, stattdessen verleihen Sie dem Schluss eine schonungslose Konsequenz und machen sie zu Mahlers wohl radikalstem Werk. 

Im 4. Akademiekonzert widmet sich GMD Roberto Rizzi Brignoli Mahlers Sechster Symphonie, die er am 2. und 3. Februar erstmals gemeinsam mit dem Nationaltheater-Orchester im Mozartsaal des Rosengartens aufführt.
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