Das 1. Akademiekonzert der neuen Saison führt zwei Komponisten zusammen, deren Musik ganz unterschiedliche Perspektiven auf das Leben eröffnet: Ludwig van Beethoven und Richard Strauss. Zwischen Freiheitsdrang und Abschied, jugendlichem Aufbruch und spätem Rückblick spannt sich ein Programm, das Werke aus weit auseinanderliegenden Schaffensphasen gegenüberstellt.
Im Zentrum stehen Richard Strauss’ Vier letzte Lieder, gesungen von der Sopranistin Hanna-Elisabeth Müller. Strauss komponierte die Lieder 1948, wenige Jahre vor seinem Tod. Die Gedichte von Hermann Hesse und Joseph von Eichendorff kreisen um Herbst, Abend und Abschied. Strauss begegnet diesen Themen mit einer spätromantischen Klangsprache von großer Farbigkeit und Weite.
Dem gegenüber stehen Beethovens Ouvertüren zu Egmont und Leonore. Beide Werke sind mit dramatischen Stoffen verbunden, in denen der Gedanke der Freiheit eine zentrale Rolle spielt. Bei Beethoven wird dieser Konflikt zu musikalischer Bewegung: Spannung, Widerstand und Befreiung bestimmen den Verlauf beider Stücke. 2027 jährt sich Beethovens Tod zum 200. Mal. Die Musikalische Akademie widmet seinem Werk in der Saison 2026/27 mehrere Programme.
Auch Strauss begegnet uns an diesem Abend in zwei weit auseinanderliegenden Schaffensphasen. Don Juan, 1889 entstanden, gehört zu seinen frühen Tondichtungen und ist geprägt von einer differenzierten Orchestrierung, markanten Themen und einer für Strauss charakteristischen Verbindung von melodischer Prägnanz und harmonischer Beweglichkeit. Die Vier letzten Lieder entstanden mehr als sechs Jahrzehnte später und gehören zu Strauss’ Spätwerk. Anders als in den frühen Tondichtungen steht hier die menschliche Stimme im Mittelpunkt. Doch auch in diesen Liedern kommt dem Orchester eine zentrale Rolle zu: Strauss nutzt seine klanglichen Möglichkeiten, um die Gesangslinie aufzugreifen, weiterzuführen und in immer neue Klangfarben zu setzen. So wird die enge Verbindung von Stimme und Orchester zu einem charakteristischen Merkmal der Lieder.
Mit Don Juan wird zugleich der Mannheimer Strauss-Zyklus im vierten Jahr fortgeführt. GMD Roberto Rizzi Brignoli dirigiert das Nationaltheater-Orchester Mannheim und verbindet damit vier Werke, die auf sehr unterschiedliche Weise von Freiheit, Lebenszeit und Vergänglichkeit erzählen.