Mit „Die Moldau“ aus dem Zyklus Má vlast schuf Bedřich Smetana ein klingendes Symbol Böhmens. Die sinfonische Dichtung zeichnet den Lauf des Flusses von den Quellen bis nach Prag nach. Naturbilder, Volksfeste und dramatische Stromschnellen verdichten sich zu musikalischer Identität. Das berühmte Hauptthema, Sinnbild des stetigen Fließens, entstand 1874, als Smetana bereits vollständig taub war. Ein Werk innerer Klangvision.
©  Silvano De Forheger, Teatro Regio Torino
Auch die Symphonie Nr. 8 G-Dur op. 88 von Antonín Dvořák ist von Naturerfahrung und Heimatverbundenheit durchzogen. Zwischen pastoraler Ruhe, tänzerischer Energie und strahlender Heiterkeit entfaltet sich eine Musik voller melodischer Fülle und klanglicher Weite. Beide Werke verbindet die Sehnsucht nach einer intakten, lebendigen Welt – ein inneres Band, das bis in die Gegenwart reicht. 
© Zuzanna Jagodzinska, Nils Ole Peters
Genau hier setzt das Violinkonzert von Thorsten Encke an. Encke versteht Musik als „Lebendigkeit des Klangs“ – als ein Geschehen, das sich im Moment entfaltet. Sein Konzert ist viersätzig, doch die Sätze gehen ohne Pause ineinander über: flight, fright, fringe und unbridled joy with a touch of madness beschreiben eine Entwicklung von flirrender Bewegung über Verdunkelung und fragile Zwischenräume bis hin zu einer fast ekstatischen Ausgelassenheit.

Enckes Konzert ist dabei bewusst polyphon gedacht: Die Solovioline agiert als prima inter pares, das Orchester ist ihr ebenbürtiger Partner. Reverenzen an das große Violinkonzert von Ludwig van Beethoven blitzen auf, etwa in der markanten Rolle der Pauke, werden jedoch in eine zeitgenössische Klangsprache transformiert. 

Unter der Leitung von Michał Nesterowicz und mit Tianwa Yang als Solistin entsteht so ein Programm, das Naturpoesie des 19. Jahrhunderts und heutige Klangforschung miteinander verbindet. Zwischen Moldau und moderner Klangvision spannt sich ein Bogen, der zeigt: Die Fragen nach Heimat, Natur und Lebendigkeit sind zeitlos, doch ihre musikalischen Antworten verändern sich.
Die Auftragskomposition der Musikalischen Akademie des Nationaltheater-Orchesters Mannheim e. V. wird ermöglicht durch die großzügige Unterstützung der Firma Lochbühler Aufzüge GmbH, Frau Dr. Maike-Tjarda Müller / Kanzlei Dr. Müller, Herrn Peter Römer sowie einer anonymen Spende. Ihnen gilt unser großer Dank.
vision string quartet zu Gast beim 8. Akademiekonzert
Im Rahmen des 8. Akademiekonzerts der Musikalischen Akademie dürfen wir ein Ensemble begrüßen, das die Grenzen der klassischen Musik neu definiert: das vision string quartet. Wir freuen uns sehr auf ihren Besuch und sind besonders gespannt auf die Uraufführung  von Florian Willeitner, die an diesem Abend zum ersten Mal im Mozartsaal erklingen wird.
© Harald Hoffmann
Ein Quartett mit Vision
Seit seiner Gründung im Jahr 2012 in Berlin hat sich das vision string quartet als eines der innovativsten Streichquartette seiner Generation etabliert. Die vier Musiker – Florian Willeitner (Violine), Daniel Stoll (Violine), Sander Stuart (Viola) und Leonard Disselhorst (Violoncello) – verstehen sich gleichermaßen als klassisches Quartett und als Band. Mit ihrer einzigartigen Fähigkeit, zwischen klassischem Repertoire und eigenen Kompositionen aus Genres wie Jazz, Pop, Rock und Funk zu wechseln, stellen sie die klassische Konzertwelt auf den Kopf. Ihre Auftritte führen sie in renommierte Säle wie die Elbphilharmonie Hamburg, den Kammermusiksaal der Berliner Philharmonie oder die Wigmore Hall in London. Dabei scheuen sie nicht vor unkonventionellen Konzertformaten zurück – etwa in völliger Dunkelheit oder mit eindrucksvollem Licht- und Videodesign. Ihr Debütalbum memento wurde 2020 mit dem Opus Klassik für die beste Kammermusikeinspielung ausgezeichnet. Das Nachfolgealbum Spectrum, das ausschließlich Eigenkompositionen enthält, wurde von den Musikern selbst produziert.

Florian Willeitner – Komponist und Geiger 
Florian Willeitner ist Violinist, Komponist und Arrangeur mit einem besonderen Fokus auf genreübergreifende Musik zwischen Klassik, Jazz und Weltmusik. Er studierte bei Benjamin Schmid am Mozarteum Salzburg, wo er 2017 sein Masterstudium mit Auszeichnung abschloss. 2016 gewann er den 2. Preis beim International Zbigniew Seifert Competition, 2022 wurde er mit dem Bayerischen Kunstförderpreis ausgezeichnet. Neben seiner Tätigkeit als Erster Geiger des vision string quartet ist Willeitner Mitbegründer und künstlerischer Leiter der Produktionsfirma Pool of Invention. Kompositionsaufträge erhielt er unter anderem vom Tonkünstlerorchester Niederösterreich, dem Musikfest Stuttgart, der Salzburger Mozartwoche sowie von renommierten Solisten wie Rolando Villazón und Benjamin Schmid. Seine Werke werden weltweit bei bedeutenden Festivals und in großen Konzertsälen aufgeführt.

Tradition der Uraufführungen 
Die Musikalische Akademie des Nationaltheater-Orchesters Mannheim e. V. pflegt seit vielen Jahren die Tradition, jedes Jahr eine neue Komposition in Auftrag zu geben und zur Uraufführung zu bringen. Diese Praxis unterstreicht das Engagement der Musikalischen Akademie für zeitgenössische Musik und die Förderung neuer Kompositionen. Bereits seit der Saison 1991/92 werden in diesem Rahmen regelmäßig Auftragswerke präsentiert – eine in der deutschen Orchesterlandschaft einzigartige Kontinuität.

Die diesjährige Auftragskomposition wurde ermöglicht durch die großzügige Unterstützung der Familie Limbourg sowie gefördert durch die Karin und Carl-Heinrich Esser Stiftung und die Heinrich-Vetter-Stiftung. Für dieses wertvolle Engagement bedanken wir uns sehr herzlich.

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