Wann haben Sie zum ersten Mal erkannt, dass Dirigieren nicht nur ein Beruf, sondern Ihre Berufung ist?

Ich erkenne es jedes Mal, wenn ich auf das Podium trete. Es ist kein einmaliger Moment der Erkenntnis – es ist eine ständige Bestätigung.
Ich habe das Gefühl, für die Bühne gemacht zu sein: Musik gleichzeitig mit dem Orchester und mit dem Publikum zu teilen. Menschliche Emotionen zu erforschen, sie zu verstehen und sie durch Musik wiederzugeben. 
Was mich am meisten bewegt, ist die Vorstellung, dass das, was wir fühlen – selbst in unseren intimsten, uns unergründlichen Momenten – nie wirklich nur uns allein gehört. Große Denker und Künstler haben es vor uns gefühlt. Durch Musik geben sie diesen Emotionen eine Form, sie benennen sie und führen uns durch sie hindurch. 
Wie Somerset Maugham schrieb: „Es ist ein Rätsel, das mit dem Universum die Eigenschaft teilt, keine Antwort zu haben.“ Und doch – lässt uns die Musik in diesem Geheimnis leben. 
Wenn Sie das Programm als eine Geschichte wiedergeben müssten, welche Emotionen oder Bilder würden Sie wählen, um es zu beschreiben? 

Es ist eine freudige, leidenschaftliche, lebensbejahende Reise – wie eine Feuerwerksnacht. 

Wenn ich es in drei Worten beschreiben müsste: 
• TEATRO – für Gioachino Rossini: voller Figuren, Bewegung und ständig wechselnder Szenen, wie eine Oper, die sich vor Ihren Augen entfaltet. 
• ELEGANTE – für Carl Maria von Webers Fagottkonzert: raffiniert, anmutig, mit Charme und Witz. 
• CON FUOCO – für Ludwig van Beethovens 7. Sinfonie: pure Energie, Rhythmus und eine unaufhaltsame Lebenskraft. 
 © Carlo Bonini                            
Wie gestalten Sie die Zusammenarbeit mit einem Orchester, das Sie möglicherweise zum ersten Mal dirigieren? 
Was ist Ihnen dabei wichtig? 

Für mich geht es immer um die Musik – und darum, die tiefe Leidenschaft, die wir alle für sie haben, zu teilen. 
Wenn ich zu einem Orchester komme, besonders zu einem mit so reicher Tradition wie in Mannheim, spüre ich eine starke Kontinuität. Dort wird seit Jahrhunderten Musik geschaffen, gelebt und geatmet. 

Meine Aufgabe ist es, meine eigene Geschichte in diese Tradition einzubringen – meine Kultur, meine Erfahrungen, die Menschen, denen ich begegnet bin, die Aufführungen, die ich erlebt habe – und sie mit der ihren zu verbinden. 

Es wird zu einem Zusammenspiel von Vergangenheit und Gegenwart, etwas, das im Moment lebt und zugleich in die Zukunft blickt. 

Und es ist ein Prozess: Er beginnt mit dem allerersten Atemzug der ersten Probe… und endet eigentlich erst mit dem gemeinsamen Lächeln nach dem letzten Konzert. 

In gewisser Weise ist es also – selbst jetzt – noch ein Werk im Entstehen.
Gibt es einen Moment im Konzert, auf den das Publikum besonders achten sollte? 

Keinen Schlüsselmoment – aber ich sage Ihnen Folgendes: 

Bleiben Sie aufmerksam… denn vielleicht könnten Sie einen verpassen.
Welchen Rat würden Sie jemandem geben, der zum ersten Mal ein klassisches Konzert besucht? 

Haben Sie Spaß. 

Es ist alles für Sie. 
Jede Note, jede Geste, jede Stille. 

Wir sind alle aus einem Grund da: um Ihre Augen zum Leuchten zu bringen.
Im 6. Akademiekonzert steht am 17. und 18. März Dirigent Marc Minkowski am Pult des Nationaltheater-Orchesters. Mit seiner stilistischen Raffinesse und klanglichen Sensibilität wird er gemeinsam mit Pianistin Suzanna Bartal den Naturbezug in der Musik in den Fokus rücken.
© Benjamin Chelly
Den Auftakt bildet Griegs Klavierkonzert – ein Werk, das nordische Weite mit romantischer Emphase verbindet. Bereits der markante Eröffnungsschlag des Soloinstruments setzt ein expressives Zeichen, dem sich kantable Linien und tänzerische Elemente anschließen. Die französisch-ungarische Pianistin Suzanna Bartal wird mit ihrem feinsinnigen Gespür für Ausdruck und Struktur die kontrastreichen Spannungsfelder dieses Meisterwerks ausleuchten.

Den zweiten Teil des Abends widmet das Nationaltheater-Orchester Beethovens Sinfonie Nr. 6, besser bekannt als Pastorale. Dieses Werk zählt zu den frühesten programmatischen Sinfonien und spiegelt seine tief empfundene Naturverbundenheit wider. In fünf poetisch betitelten Sätzen entfaltet sich eine vielschichtige Klanglandschaft: von der friedvollen Heiterkeit ländlicher Szenen über das ausgelassene Treiben eines Dorffestes bis hin zum Aufziehen eines Gewitters, das schließlich in einen verklärten Dankgesang mündet. Unter der Leitung von Marc Minkowski, dem berühmten Spezialisten für historische Aufführungspraxis, wird das Nationaltheater-Orchester die feinen Nuancen und die emotionale Bandbreite dieses Meisterwerks authentisch zum Ausdruck bringen.

6. Akademiekonzert 2024/25

Rosengarten Mannheim, Mozartsaal 
Montag, 17. und Dienstag, 18. März 2025
20 Uhr, Einlass 19:00 Uhr 
Einführungsveranstaltung 19:15 Uhr

Marc Minkowski 
Dirigent

Suzanna Bartal 
Klavier

Nationaltheater-Orchester Mannheim

Programm

Edvard Grieg (1843—1907) 
Konzert für Klavier und Orchester 
a-Moll op. 16 

Ludwig van Beethoven (1770—1827) 
Symphonie Nr. 6 F-Dur op. 68 
Pastorale
Liebe Konzertbesucherinnen und Konzertbesucher, 

aufgrund der großen Beliebtheit von Beethovens 9. Symphonie und des parallel stattfindenden Weihnachtsmarkts am Wasserturm kann die Parksituation rund um den Rosengarten an beiden Konzertabenden stark eingeschränkt sein. Wir empfehlen Ihnen daher, frühzeitig zum Veranstaltungsort zu kommen, um entspannt in den Konzertabend starten zu können.

Nutzen Sie nach Möglichkeit die öffentlichen Verkehrsmittel, um stressfrei und komfortabel anzureisen.
Bitte beachten Sie außerdem, dass es bei der Kartenabholung an der Abendkasse zu etwas längeren Wartezeiten kommen kann. 

Wir danken Ihnen herzlich für Ihr Verständnis und freuen uns darauf, Sie bei diesem besonderen Konzertabend willkommen zu heißen! 
Mit freundlichen Grüßen, 
Ihr Team der Musikalischen Akademie Mannheim

Beethovens 9. Symphonie unter der Leitung von GMD Rizzi Brignoli nach 25 Jahren wieder im Rosengarten 

Am 16. und 17. Dezember 2024 bringt das Nationaltheater-Orchester Mannheim Beethovens monumentale 9. Symphonie auf die Bühne des Mozartsaals. Es singen die Solistinnen und Solisten Estelle Kruger (Sopran), Julia Faylenbogen (Alt), Jonathan Stoughton (Tenor) und Sung Ha (Bass) sowie dem Opern- und Extrachor des Nationaltheaters Mannheim. 

Beethovens 9. Symphonie, auch bekannt als „Chorsymphonie“, ist eines der bedeutendsten Werke der Musikgeschichte. Das Finale, mit Friedrich Schillers Ode an die Freude, symbolisiert universelle Werte wie Freiheit, Brüderlichkeit und den Glauben an die Menschheit. Es ist das erste Werk der Musikgeschichte, das die menschliche Stimme in eine Symphonie integriert – ein revolutionärer Schritt, der die musikalische Welt nachhaltig prägt. Die Komposition vereint Dramatik, lyrische Schönheit und triumphale Energie in einem unvergleichlichen Klanguniversum. Der Rosengarten, ein Ort mit einer langen und bedeutenden musikalischen Geschichte, hat eine besondere Verbindung zu Beethovens 9. Symphonie: Bereits zu seiner Eröffnung im Jahr 1903 und zur Einweihung des Mozartsaals vor genau 50 Jahren war es das Nationaltheater-Orchester Mannheim, das dieses Werk aufführte - nun kehrt die Ode an die Freude an ihren historischen Aufführungsort zurück.
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