Wie viel entsteht beim Dirigieren aus Planung und wie viel aus dem Moment?
Beides gehört untrennbar zusammen. Die Vorbereitung ist enorm wichtig: ich muss die Partitur genau kennen und eine klare Vorstellung davon haben, wohin sie sich musikalisch entwickeln soll. Im Konzert selbst geht es dann aber um Kommunikation, ich gebe Impulse, antizipiere was musikalisch geschehen soll und reagiere gleichzeitig auf das Orchester. Manchmal entsteht in einem Moment eine besondere Spannung oder eine neue Klangfarbe, die man nicht vollständig planen kann. Dann muss man bereit sein, drauf einzugehen. Dirigieren ist für mich deshalb ein bisschen wie Theater: wir haben gemeinsam erarbeitet, worum es geht, aber die eigentliche Aufführung ist jedes Mal neu. Diese Mischung aus Präzision, Leidenschaft, Vertrauen und Spontanität macht das Musizieren für mich so aufregend.