Julika Lorenz und Eva Röthke (v.l.)
Im November 2024 wurden Eva Röthke (Soloharfe) als Geschäftsführerin und Julika Lorenz (1. Violine) als 2. Vorsitzende in den Vorstand der Musikalischen Akademie Mannheim gewählt. Wir wünschen viel Erfolg auf den neuen Positionen und bedanken uns herzlich bei den Vorgängerinnen Nora von Marschall und Johanna Pschorr für das große Engagement und die wunderbare Zusammenarbeit!

Ein musikalischer Adventskalender der besonderen Art
In diesem Jahr möchten wir Ihnen die Vorfreude auf Weihnachten auf ganz besondere Weise versüßen! Unsere Musikerinnen und Musiker der MAM haben sich für Sie zusammengetan und einen digitalen Adventskalender gestaltet. Freuen Sie sich auf eine tägliche Videobotschaft, die Sie mit musikalischen Highlights und persönlichen Einblicken durch die Adventszeit begleitet. Von zauberhaften Klängen bis hin zu stimmungsvollen Momenten hinter den Kulissen – entdecken Sie jeden Tag ein kleines Stück Weihnachtszauber! Lassen Sie sich überraschen und stimmen Sie sich gemeinsam mit uns auf die schönste Zeit des Jahres ein.
Folgen Sie unserem Instagramkanal musikalischeakademie oder besuchen Sie unseren YouTube Kanal unter: 
MAM auf Youtube
Ein Kurzinterview
Kaum ein Regent hat die Kulturgeschichte Mannheim derart geprägt wie Carl Theodor von der Pfalz. Die Musikalische Akademie und das Nationaltheater Mannheim führen die schöne Tradition der Kammerakademien fort, die sie am 01. Dezember 2024 dem 300. Geburtstag des musikbegeisterten Kurfürsten widmen. Kontrabassist Johannes Dölger ist unser diesjähriger Solist und hat uns an dieser Stelle unsere Fragen zum anstehenden Konzert beantwortet.
Lieber Johannes,
an dieser Stelle möchten wir dir gern drei Fragen stellen:

1. Als Solist der diesjährigen Kammerakademie bist du unter anderen mit Haydns "Concerto per il Contrabasso" zu Gast im OPAL. Wirst Du das Werk am 1. Dezember zum ersten Mal vor Publikum spielen? 

Ich hatte schon Auftritte mit dem Hornkonzert, allerdings nicht mit Orchester, sondern mit einem Streichquartett. Es handelt sich also tatsächlich am Sonntag um eine "Welturaufführung".

2. Was ist das Besondere an diesem Werk und wie bist du eigentlich auf die Idee der Bearbeitung gekommen?
© 
Haydn hat das Konzert für ein Naturhorn in D-Dur-Stimmung geschrieben. Da auch die Kontrabässe/ Violonen zur damaligen Zeit auf die Töne A - D - FIS - A , also einen D-Dur - Dreiklang gestimmt waren, lässt die Solostimme sich wunderbar auf meinem Instrument spielen. Ich habe mir lediglich erlaubt, einige Doppelgriffe zu verwenden. Im Übrigen hat Joseph Haydn ein Kontrabasskonzert komponiert, das aber leider verschollen ist. 

3. Wie ist es als Solist mit den eigenen Kolleginnen und Kollegen auf der Bühne zu stehen - ist man da ganz besonders aufgeregt?

Man ist immer etwas aufgeregt und das ist auch gut so. Nur so kann etwas Besonderes entstehen. Außerdem überwiegt die Freude des Musizierens bei Weitem.


Im 2. Akademiekonzert am 18. und 19. November 2024 steht GMD Roberto Rizzi Brignoli im ersten seiner vier Akademiekonzerte dieser Saison auf der Bühne des Rosengartens. Das Publikum erwartet einen Abend voll russischer Romantik: Sarah Christian interpretiert Tschaikowskis Violinkonzert, bevor das Nationaltheater-Orchester Schostakowitschs 5. Symphonie zum Leben erweckt.
© Marco Borggreve
Tschaikowskis Violinkonzert, ein Werk von Leidenschaft und virtuosem Glanz, stellt nicht nur höchste technische Ansprüche, sondern öffnet zugleich eine Welt der sublimen Emotionen. Das 1878 in der Schweiz entstandene Werk, das als Meilenstein des Violinrepertoires gilt, ist bei Sarah Christians, Gewinnerin des ARD-Musikwettbewerbs und bekannt für ihren beseelten Klang, in allerbesten Händen.

Im zweiten Teil des Konzerts führt das Orchester das Publikum in die verzweifelte Welt von Schostakowitschs 5. Symphonie – ein Werk, das sowohl als Spiegel seiner Zeit als auch als Zeugnis eines zutiefst persönlichen Kampfes des Komponisten mit den an ihn gerichteten politischen Erwartungen verstanden werden kann. Geschrieben 1937, zu einer Zeit, in der Schostakowitsch unter starkem Druck des sowjetischen Regimes stand, besticht das Werk durch seine scharfen Kontraste: dramatische Härten und beklemmende Stille bis hin zu triumphalen, mitreißenden Momenten, die die musikalische Sprache der sowjetischen Ära in einer einzigartigen Weise reflektieren.

Genießen Sie die Konzertreihe der MAM gemeinsam mit Ihren Freunden
Liebe Abonnentinnen, liebe Abonnenten, wir möchten Ihnen herzlich für Ihre Treue und Begeisterung für die Konzerte der Musikalischen Akademie danken! Gemeinsam erleben wir unvergessliche musikalische Momente – und genau diese möchten wir gerne mit noch mehr Menschen teilen.
© 
Laden Sie Ihre Freunde ein und genießen Sie Musik in bester Gesellschaft!

Nutzen Sie die Gelegenheit, Ihre Freunde oder Familie mit ins Konzert zu bringen und begeistern Sie diese für ein Abonnement:
In lockerer Atmosphäre gewähren Ihnen Musikerinnen und Musiker des NTO spannende Einblicke in ihr Leben und ihre Arbeit. Begleitet von musikalischen Beiträgen führt Dramaturgin Cordula Demattio durch den Abend.
Fotos © Christian Gaier
Unser Dankeschön für Sie: 
Wenn Sie Freunde für ein Neuabonnement gewinnen konnten, laden wir Sie gemeinsam am 21. November 2024 zu einem exklusiven musikalischen Abend ein.

Lassen Sie uns gemeinsam die Magie der Musik weitertragen! 
Schreiben Sie uns einfach eine kurze E-Mail an service@musikalische-akademie.de oder melden Sie sich telefonisch unter 0621 260 44 und nennen uns die Namen der von Ihnen geworbenen Neuabonnenten, um sich gemeinsam anzumelden.

Im Rahmen des 1. Akademiekonzerts am 14./15.10.2024 wird Dirigent Ingo Metzmacher die Ehrenmitgliedschaft der MAM verliehen. Die Auszeichnung würdigt Metzmachers langjährige künstlerische Zusammenarbeit mit dem NTO und seine außergewöhnlichen Verdienste um den Verein der Musikalischen Akademie.
Ingo Metzmacher © felixBroede
Mit seiner Leidenschaft für das moderne und große romantische Repertoire hat sich Ingo Metzmacher einen bedeutenden Platz in der internationalen Musiklandschaft erarbeitet. Seine enge Verbindung zur Musikalischen Akademie Mannheim und zum Nationaltheater-Orchester wird mit dieser Ernennung gewürdigt.

Im Fokus des Konzerts steht Gustav Mahlers monumentale 5. Symphonie. Das Werk, 1904 uraufgeführt, führt in fünf Sätzen durch ein Spektrum extremster menschlicher Emotionen. Im dramatischen Trauermarsch des ersten Satzes über das aufgewühlte Scherzo bis hin zum berührenden, fast transzendentalen Adagietto im vierten Satz, welches durch seine intime Schönheit Weltruhm erlangte, offenbart sich Mahlers einzigartige Fähigkeit, musikalisch das Leben in all seinen Facetten abzubilden.

Typisch für Metzmacher wird diesem Opus Magnum ein zu Unrecht selten gespieltes Werk gegenübergestellt: Charles Ives‘ Three Places in New England nimmt die Hörer mit auf eine musikalische Reise durch die amerikanische Landschaft und Geschichte. Ives, Pionier der modernen amerikanischen Musik, verbindet in diesem Stück traditionelle Melodien mit avantgardistischen Klängen und schafft so ein einzigartiges Klangbild, das von der kulturellen Vielfalt und dem Geist Neuenglands erzählt.
Ingo Metzmacher, einer der gefragtesten Dirigenten seiner Generation, ist bekannt für seine innovative Programmgestaltung und sein tiefes Verständnis sowohl für das große romantische als auch das zeitgenössische Repertoire. Seine langjährige künstlerische Verbindung zur Musikalischen Akademie Mannheim und sein Einsatz für die musikalische Vielfalt und Exzellenz machen ihn zu einem würdigen Empfänger der Ehrenmitgliedschaft der MAM.
Ingo Metzmacher © Christian Gaier                                 
Im Vorfeld des 1. Akademiekonzerts am 14. und 15. Oktober 2024 haben wir Ingo Metzmacher gebeten, uns vier kurze Fragen zu beantworten.

1. Was bedeutet Ihnen die Verleihung der Ehrenmitgliedschaft hinsichtlich der weiteren künstlerischen Zusammenarbeit mit der Musikalischen Akademie Mannheim? 
Sie bedeutet mir sehr viel. Ich finde es bewundernswert, wie das Orchester die Musikalische Akademie eigenständig organisiert und mit Leben füllt. Ich werde das immer unterstützen. 

2. Wie kann es gelingen Mahlers fünfte Symphonie "hörbar neu zu machen"? 
Indem man sie genau liest und Mahlers Ratschlag folgt, auch etwas zu ändern, wenn es der Klarheit dient. 

3. Was reizt Sie besonders an "Three Places in New England" von Charles Ives? 
Dieses Stück war mein Weckruf zur Musik der Moderne und wird als solches immer einen besonderen Platz in meinem Repertoire haben. Die rhythmische Vertrackheit liebe ich ebenso wie die unerhörten klanglichen Mischungen. Und dann natürliche die Märsche! Einfach großartig. 

4. Welches Werk würden Sie gerne unbedingt noch mit dem Nationaltheater-Orchester Mannheim in einem Akademiekonzert aufführen? 
Ich würde gern einmal ein großes Werk mit Chor aufführen: Beethovens Missa Solemnis, Dvoraks Requiem, Frank Schmidts Das Buch mit Sieben Siegeln, Hans Pfitzners Von Deutscher Seele, ja vielleicht sogar Hans Werner Henzes 9. Symphonie, die ich ja uraufgeführt habe.


Wir blicken mit Vorfreude auf dieses besondere 1. Akademiekonzert! Die Verleihung der Ehrenmitgliedschaft findet am Montag, den 14. Oktober 2024 im Rahmen der Einführungsveranstaltung statt.


Die MAM ist aus der Sommerpause zurück und startet in ihre 246. Saison. Freuen Sie sich auf acht Doppelkonzerte, unseren GMD Roberto Rizzi Brignoli, zahlreiche renommierte Gäste, den Opern- und Extrachor des NTM sowie Ihr Nationaltheater-Orchester Mannheim. Nutzen Sie die Gelegenheit, werden Sie Teil der Akademiefamilie und sichern Sie sich noch rechtzeitig Ihr Abonnement!
 ©                                
Die Akademiekonzerte der Saison 24/25 versprechen ein musikalisches Feuerwerk voller Emotionen: Mit einem beeindruckenden Programm, das von den ergreifenden Symphonien großer Meister wie Mahler, Beethoven und Brahms bis hin zur zeitgenössischen Uraufführung reicht, bietet die Musikalische Akademie Mannheim auch in dieser Saison unvergessliche Konzerterlebnisse. Ingo Metzmacher eröffnet die Saison mit Mahlers fünfter Symphonie. Mit Sarah Christian, Tabea Zimmermann und Gerhild Romberger beehren uns herausragende Solistinnen und verleihen unseren Konzerten einen besonderen Glanz. Ein weiteres Highlight ist die Uraufführung mit dem vision string quartet, das mit einem mitreißenden Finale die Saison abschließt.

Unsere Konzerte für Sie im Überblick
Im 1. Akademiekonzert am 14. und 15. Oktober 2024 widmen sich Ingo Metzmacher und das NTO mit Mahlers fünfter Symphonie der vielleicht ergreifendsten Tonschöpfung des großen Symphonikers. Für seine immensen Verdienste um den Verein wird Ingo Metzmacher im Rahmen des Konzerts die Ehrenmitgliedschaft der Musikalischen Akademie Mannheim verliehen.

Im 2. Akademiekonzert am 18. und 19. November 2024 eröffnet GMD Roberto Rizzi Brignoli den Reigen der vier Chefkonzerte: Tschaikowskis Violinkonzert und Schostakowitschs 5. Symphonie bieten dem NTO Gelegenheit, in seinem berühmten romantisch-samtigen Klang zu strahlen. Violinistin Sarah Christian brillierte einst bei einer Kammerakademie und kommt nun als gefragte Solistin nach Mannheim zurück.

Ein musikalisches Symbol für Frieden, Toleranz und Solidarität – Schillers Ode An die Freude hat an Aktualität nicht verloren: Beethovens neunte Symphonie steht als Solitär im 3. Akademiekonzert am 16. und 17. Dezember 2024. Aller Popularität zum Trotz: Bei den Akademiekonzerten erklingt sie zum ersten Mal seit 25 Jahren – Ehrensache, dass hier GMD Roberto Rizzi Brignoli am Pult steht.

Im 4. Akademiekonzert am 20. und 21. Januar 2025 wird die schöne Tradition der hauseigenen Solist*innen fortgeführt: Frank Martins Konzert für sieben Instrumente wird gerahmt von Schumanns Genoveva-Ouvertüre und Brahms’ 2. Symphonie. Freundschaft und Kammermusik prägen diese seltene Kombination. 

Die Fortsetzung des Strauss-Zyklus erfolgt im 5. Akademiekonzert am 17. und 18. Februar 2025: Seine symphonische Dichtung Tod und Verklärung markiert den Höhepunkt eines Streifzuges durch die Spätromantik, zu dem sich Auszüge aus Wagners Tristan und Bartóks Violakonzert gesellen. Solistin ist Ausnahmebratschistin Tabea Zimmermann.   

Naturklänge charakterisieren das 6. Akademiekonzert am 17. und 18. März 2025: Marc Minkowski gilt als Spezialist für die Wiener Klassik und dirigiert an den größten Häusern der Welt. Vor zwei Jahren krankheitsbedingt verhindert, kommt er nun endlich zu den Akademiekonzerten. Beethovens Pastorale steht Griegs Klavierkonzert gegenüber, Wunschsolistin und Shootingstar Suzana Bartal greift in die Tasten. 

Ein Goetheabend der besonderen Art: Im 7. Akademiekonzert am 26. und 27. Mai 2025 werden mit Johannes Brahms Alt-Rhapsodie und Franz Liszts Faust-Symphonie sehr unterschiedliche Facetten des deutschen Dichterfürsten beleuchtet. Allein dass sich Mezzosopranistin Gerhild Romberger der anspruchsvollen Partie annimmt, mag zeigen, dass die Werke völlig zu Unrecht in Vergessenheit geraten sind. 

Im 8. Akademiekonzert am 23. und 24. Juni 2025 ist das vision string quartet zu Gast. Vier junge Musiker abseits des Klassikmainstreams, die ihre Instrumente schnell zu einer Jazzband umbauen können! Die Uraufführung „auf Abwegen“ reiht sich ein in Gershwins 20er-Jahre-Klänge und eine Liebes- und Lebenserklärung in Tanzform des großen Globetrotters Sergej Rachmaninow.

„300 Jahre Carl Theodor“ feiert die Musikalische Akademie in der Kammerakademie am 1. Dezember 2024 im OPAL (Oper am Luisenpark). Wohl kaum ein anderer Regent hat die Kunst- und Kulturgeschichte Mannheims und seiner Umgebung derart beeinflusst wie Kurfürst Carl Theodor. Auch die Gründung der Musikalischen Akademie wäre ohne ihn nicht vorstellbar gewesen.
SOPRAN
Die armenische Sängerin Anush Hovhannisyan konnte kurzfristig für die Sopranpartie im Verdi Requiem gewonnen werden, um die erkrankte Szuzsanna Ádám zu vertreten.
©Ed Choo                                 
Zu Anush Hovhannisyans kommenden und aktuellen Engagements gehören die Titelrolle in Katya Kabanova in der Opera Royal de Wallonie, Rachmaninoff's The Bells mit Orquesta y Coro Nacionales de España, Bergen Philharmonic und Philharmonia Orchestra London, Mimi La bohème in der Welsh National Opera, Liza Pique Dame im The Grange Festival, Verdi's Requiem auf Tour mit Estonian National Symphony.
In den vergangenen Spielzeiten war Anush als Violetta in La traviata am Royal Opera House Covent Garden, an der Königlichen Dänischen Oper, an der Israelischen Oper und an der Scottish Opera, als Tatjana in Eugen Onegin an der Opera Holland Park, als Leonora in Verdis Oberto in der Cadogan Hall, London, als Parasha in Mavra an der Scottish Opera und in der Titelrolle der Maria Stuarda am Staatstheater Klagenfurt zu erleben. 
Die armenische Sopran Anush Hovhannisyan wurde von der Times als "The Face to Watch in Opera 2020" und von Theatre Publishing als eine der herausragenden Künstlerinnen des Jahres 2020 ausgewählt und begann ihre Karriere im Rahmen des Jette Parker Young Artists Programme am Royal Opera House, Covent Garden. In Mannheim ist sie das erste Mal im Rosengarten zu Gast.

Martin Muehle tritt gemeinsam mit den Solistinnen und Solisten des NTO Zsuzsanna Ádám (Sopran), Julia Faylenbogen (Alt) und Sung Ha (Bass) in der Messa da Requiem im 8. Akademiekonzert auf. Der in Mannheim bekannte und international hoch gelobte Tenor übernimmt die Gesangspartie von Irakli Kakhidze.
 © Simon Pauly                                      
Martin Muehle wurde in Porto Alegre in Brasilien geboren und studierte an der Musikhochschule in Lübeck. Der deutsch-brasilianische Tenor ist bekannt für seine Darstellungen der romantischen Helden des italienischen Repertoires, darunter Andrea Chénier, Don José und Calaf, die er unter anderem an der Opéra de Monte Carlo, der Arena di Verona und dem Gran Teatre del Liceu in Barcelona mit großem Erfolg gesungen hat. Von 2013 bis 2015 war er Ensemblemitglied am Nationaltheater Mannheim. Zukünftige Engagements umfassen Muehles Rollendebüt als Herman in einer Neuproduktion von Tschaikowskys Pique Dame an der Deutschen Oper Berlin, Le Villi am Teatro Regio di Torino, Turandot am Teatro Massimo di Palermo, Tosca und Andrea Chénier an der Deutschen Oper Berlin sowie Otello an der Staatsoper Stuttgart. Der Sänger lebt in Mannheim.

Olga Pogorelova, 1. Konzertmeisterin des NTO seit 2015, wird nach ihrer Elternzeit im 7. Akademiekonzert wieder auf die Bühne zurückkehren. Wir haben ihr vorab einige Fragen gestellt:
 ©                                
Liebe Olga, wir freuen uns alle auf deine Rückkehr ins Orchester! Worauf freust du dich am meisten? 

Ich freue mich auch riesig, wieder mit dabei zu sein! Es fühlt sich an wie Heimkommen nach einer langen Reise: Die Dinge sind einerseits vertraut und doch anders zugleich. Natürlich hat sich das Orchester während meiner Abwesenheit sehr gewandelt und weiterentwickelt: Es gibt ja bekanntlich den Umbau, einen neuen Chefdirigenten, und auch im Kollegium sehe ich neben den vielen „Altbekannten“ einige neue Gesichter. 

Es ist also eine Mischung aus Neugier und Spannung und eine große Vorfreude auf mein erstes Akademiekonzert in Mannheim seit Langem. 

Für all diejenigen, die sich fragen, was die Aufgaben einer Konzertmeisterin sind: Was genau muss man sich unter diesem Titel vorstellen, und wie wird man eigentlich Konzertmeisterin? 

„Primus inter Pares“, lateinisch für „Erster unter Gleichen“, ist der Ausdruck, der immer wieder verwendet wird, wenn man von einer Konzertmeisterposition spricht. 

Als Konzertmeister ist man zwar Teil der Gruppe der 1. Geigen, hat aber zugleich eine besondere Funktion, die sowohl für das Zusammenspiel im Orchester als auch für organisatorische oder repräsentative Belange wichtig ist. Gleichwohl sind bei dieser Tätigkeit solistische beziehungsweise künstlerische Qualitäten gefragt: Wenn in der Stimme der 1. Violine der Vermerk „Solo“ (italienisch für „allein“) steht, so ist die Stelle von nur einer Geige, also vom Konzertmeister, vorzutragen. „Allein“ ist man zudem für die Einrichtung der Stimmen, die Kommunikation mit den anderen Stimmführern und dem Dirigenten sowie für das Stimmen des Orchesters vor der Aufführung verantwortlich. 

Wer sich also für eine Konzertmeisterlaufbahn interessiert, sollte gewisse Führungsqualitäten mitbringen und kommunikativ sein. Und natürlich muss man ein entsprechendes Probespiel gewinnen und das darauffolgende Probejahr bestehen. 

Das Programm des 7. Akademiekonzerts am 10. und 11. Juni 2024 verspricht sommerliche französische Leichtigkeit. Welches der drei Stücke ist für die Geige technisch am anspruchsvollsten und warum? 

Eigentlich ist es genau diese französische Leichtigkeit, die eine besondere Tongebung und dazu noch ein beträchtliches technisches Können erfordert. 

Gleich zu Beginn der „Orgelsymphonie“ entsteht durch das Verschieben des Taktempfindens ein Gefühl des Schwebens: eben die auskomponierte „Leichtigkeit“. Diese lebt allerdings von einem hohen Maß an Präzision und Konzentration im Moment der Aufführung sowie von souveräner Bogentechnik. Als Geiger darf man sich aber auch auf die vielen wunderbaren Melodien freuen, die sowohl intonatorisch anspruchsvoll sind als auch klanglich eine ganz besondere Herangehensweise erfordern. Der schnelle Wechsel der Stimmungen ist es, der das Ganze für uns so reizvoll und spannend zugleich macht. 

Was für die Symphonie von Saint-Saëns tonangebend ist, gilt umso mehr für Poulencs Sinfonietta, dieses meisterhaft instrumentierte Glanzstück der französischen Leichtigkeit. 

Vielen Dank, liebe Olga, und toi, toi, toi für das 7. Akademiekonzert!
© Büro Schramm für Gestaltung
10./11. Juni 24
Rosengarten, Mozartsaal
Konzert 20 Uhr 
Einführung 19:15 Uhr 

GMD Roberto Rizzi Brignoli
Christian Schmitt, Orgel 

Programm: 
Francis Poulenc, Sinfonietta 
Maurice Ravel, Boléro 
Camille Saint-Saëns,
Symphonie Nr. 3 c-Moll op. 78 
Orgelsymphonie

Prof. Dr. med. Wolf-K. Hofmann Vorsitzender des Kuratoriums der Musikalischen Akademie
06.05.2024
 ©                                
Sehr geehrte, liebe musikbegeisterte Freunde der Musikalischen Akademie des Nationaltheater-Orchesters Mannheim e.V.,

nun ist es endlich da – das Programm der 246. Spielzeit der Musikalischen Akademie für das „akademische Jahr“ 2024/25. Es ist großartige Musik, die uns in dieser Spielzeit erwartet – und es ist noch mehr. Es sind musikalische Vielfalt, künstlerische Exzellenz und Herausforderung auf höchstem Niveau. Aber der Reihe nach. Schon der Einstieg am 14./15.10.2024 mit „Mahler 5“ (wie der alte Orchesterhase sagt) setzt ein Eingangsniveau fest, welches fast nicht zu überbieten ist. Die kleine Frage am Rande, wie viele Vorzeichen „cis-Moll“ hat, scheint da fast unbedeutend – für einen Streicher in der Gruppe der Bratschen oder Violinen allerdings ist sie nicht ganz unwesentlich. Oder anders formuliert: Das ist Hörgenuss vom Feinsten, der aber auch über fast 70 Minuten insbesondere die Streichergruppen technisch und emotional maximal herausfordert. 

Ja, die Streicher – die sind im Programmjahr 2024/25 sehr gut vertreten. Das wunderschöne Violinkonzert von Tschaikowski im November 2024 und das sehr eindringliche Konzert für Viola und Orchester von Bartók im Februar 2025 geben den auserlesenen Solisten die Möglichkeit, diese Instrumentengruppe brillieren zu lassen – vielleicht gar mit einer Geige oder Bratsche aus italienischer Handwerkskunst. Darüber würde sich der inzwischen in Mannheim herzlichst aufgenommene und breit anerkannte GMD Roberto Rizzi Brignoli natürlich besonders freuen. In seiner zweiten Mannheimer Spielzeit wird es ihm mit diesem fantastischen Programm gelingen, das Publikum, welches immer wieder sehr anspruchsvoll ist, vollumfänglich zu begeistern. Jedes der anstehenden acht Akademiekonzerte hat uneingeschränkt die Berechtigung, sofort in die Kalender der musikbegeisterten Mannheimer eingetragen zu werden. Die bunte und sehr wohldurchdachte Auswahl der künstlerischen Richtungen und der einzelnen musikalischen Stücke folgt der so wertvollen traditionellen Hörgewohnheit und hat uneingeschränkt höchste künstlerische Klasse. Es fällt deshalb sehr schwer, irgendeine Besonderheit herauszuheben. Aber manchmal ist man aufgefordert, mutig und immer wieder eine klare (musikalische) Positionierung vorzunehmen. Die uns umgebende Weltgesellschaft fordert das nahezu heraus, und deshalb ist der Abschluss des Kalenderjahres 2024 mit Ludwig van Beethovens neunter Symphonie und der Vision „Alle Menschen werden Brüder“ ein erwarteter, aber auch regelmäßiger künstlerischer Höhepunkt, der uns alles das, was Musik bewirken kann, in einem Stück verschafft: Freude, Glück, emotionale Aktivitäten, aber auch innere Ruhe, Nachdenklichkeit und vor allem Zuversicht. 

 ©                                
© 
Wir freuen uns, Ihnen am 6. Mai 2024 offiziell unser neues Jahresprogramm vorstellen zu dürfen.

In seiner zweiten Spielzeit präsentieren GMD Roberto Rizzi Brignoli und Fritjof von Gagern, 1. Vorsitzender des Vereins, Meisterwerke aus drei Jahrhunderten, herausragende Gastdirigent*innen und Solist*innen, aber auch unbekanntes Repertoire, das vermeintliche Grenzen der Klassikszene neu hinterfragt.


Ein Vorgeschmack auf das Design unserer neuen Saison: Andruck unseres Jahresprogrammheftes bei ZVD Heidelberg.

Unsere Abonnent*innen dürfen sich wie gewohnt auf ihr druckfrisches Exemplar freuen, welches ihnen in den kommenden Tagen postalisch zugestellt wird.

Seit Ende April ist unsere lang erwartete Elgar-CD im Handel erhältlich!
Alexander Soddy, zahlreiche Ehrengäste und die MAM waren am 22. April 2024 dabei, um auf dieses freudige Ereignis gemeinsam anzustoßen. Im Orchesterprobenzentrum Nekarau lauschten nach der offiziellen Begrüßung die Gäste der neuesten Aufnahme des NTO. Alexander Soddy lies es sich natürlich nicht nehmen, mit den Anwesenden ins Gespräch zu kommen und stand selbstverständlich für die zahlreichen Signierwünsche zur Verfügung.
© 
Der britische Dirigent Alexander Soddy, Mannheims Generalmusikdirektor von 2016 bis 2023, und das NTO widmen sich zwei ausgewählten Kompositionen des englischen Meisters: der ersten Symphonie sowie der Cockaigne Ouvertüre – live aufgenommen bei unseren Akademiekonzerten.

 ©                                
6. Akademiekonzert 2023/24
Am 08./09. April 24 kombinieren Dirigentin Holly Hyun Choe und das Nationaltheater-Orchester Werke von Ludwig van Beethoven kontrastreich mit zwei Klavierkonzerten von Sergei Prokofjew.

 

Jan Lisiecki © Christoph Köstlin
Das Konzert eröffnet mit Beethovens kraftvoller Leonore-Ouvertüre - ursprünglich als Eröffnungsstück für Beethovens Oper Fidelio komponiert, steht sie heute als eigenständiges Werk und wird in Oper und Konzertsaal gleichermaßen wegen ihrer emotionalen Tiefe und dramatischen Intensität geschätzt. Im Mittelpunkt des Abends steht zweifellos Starpianist Jan Lisiecki, der für seine technische Finesse und tiefgreifenden Interpretationen weltweit höchstes Ansehen genießt. Mit Prokofjews Klavierkonzerten Nr. 1 und Nr. 4 präsentiert er gleich zwei Werke, die gleichermaßen herausfordernd wie mitreißend sind. Beide Stücke bieten einen faszinierenden Einblick in das vielseitige Schaffen des Komponisten: von der Energie des ersten Konzerts bis hin zur unkonventionellen – da für die linke Hand komponierten - Herangehensweise des vierten Konzerts.
© 
“Perhaps the most 'complete' pianist of his age.”
BBC Music Magazin
Mit Beethovens achter Symphonie beschließen Holly Hyun Choe und das NTO den Abend. Im Schatten seiner berühmten neunten Symphonie oft unterschätzt, gilt das 1812 komponierte Werk ebenfalls als Höhepunkt des klassischen Repertoires. Es verkörpert mit seinen verspielten Melodien, kraftvollen Rhythmen und dem "fehlenden" langsamen Satz Beethovens unverkennbare Genialität und stetigen Drang zur Neuerung.
Holly Hyun Choe © Emily Turkanik
Holly Hyun Choe debütiert am Pult des Rosengartens: Am 08. und 09. April dirigiert sie gleich zwei Klavierkonzerte von Prokofjew sowie Beethovens Leonore-Ouvertüre und seine achte Symphonie.

Es ist soweit – Ende April 2024 kommt die lang erwartete Elgar-CD in den Handel!
Alexander Soddy, GMD des Nationaltheater-Orchesters von 2016 bis 2023, und das NTO widmen sich zwei ausgewählten Kompositionen des britischen Meisters: der Symphonie Nr. 1 sowie der Cockaigne Ouverture, aufgenommen in den Akademiekonzerten.
 ©                                
Alexander Soddy © Christian Gaier
Sichern Sie sich jetzt Ihre exklusive, bei Oehms Classic erschienene CD!

Ab dem 22. April können Sie diese zum Preis von 20 Euro in unserer Geschäftsstelle oder an unserem Infostand im Foyer des Rosengartens erwerben.

Christoph Gedschold dirigiert Franz Schuberts Große C-Dur Symphonie
Die Musikalische Akademie Mannheim blickt bei Schuberts Meisterwerk auf eine lange Aufführungsgeschichte zurück: Christoph Gedschold, Musikdirektor der Oper Leipzig, nimmt sich dieser im 5. Akademiekonzert am 4. und 5. März 2024 
voller Ehrfurcht an. Das Publikum erwartet zudem die Auftragskomposition Wavering World for orchestra von Dai Fujikura.
Christoph Gedschold  © Thomas Stimmel                               
Beginnend mit Mendelssohns Die Hebriden, auch bekannt als Fingalshöhle, entführen Christoph Gedschold und das NTO die Zuhörer auf eine klangliche Reise zu den wilden Küsten der schottischen Hebriden, wo rauschende Meereswellen und majestätische Landschaften in den Klängen des Orchesters lebendig werden. Mendelssohn versteht es meisterhaft, die Dramatik und malerische Schönheit dieser atemberaubenden Region in Musik zu verwandeln. Dem gegenüber steht die Auftragskomposition Wavering World for orchestra von Dai Fujikura. Der seit seiner Jugend in England lebende Japaner beschäftigt sich in diesem Werk mit japanischen Mythen, der Faszination für die Wandlung von Materie und die Entstehung von Leben, in denen Götter, Menschen und Natur eine friedliche Koexistenz führen.
Dai Fujikura ©Yuko Moriyama
“An uncertain world is floating without knowing what kind of world it will be.” 
Dai Fujikura über Wavering World


Der Fokus im zweiten Teil des Abends ist auf Franz Schuberts Große Symphonie in C-Dur gerichtet - ein wahrhaftiges Meisterwerk der romantischen Musik, das durch seine groß angelegte Struktur und Schuberts Fähigkeit, emotionale Tiefe in jede Note zu legen, besticht. Es handelt sich für geraume Zeit für die längste und üppigste Instrumentalkomposition – den Liedkomponisten hört man dennoch stehts heraus.
Nachruf
Er widmete sich dem Leben im alten Ägypten – und sah darin doch wichtige Hinweise auch für unsere Gegenwart. Mit seiner Frau Aleida Assmann hat er den Begriff und das Konzept des "kulturellen Gedächtnisses" geprägt. Dabei geht es darum, dass ganze Gesellschaften ein kollektives Gedächtnis und eine gemeinsame Erinnerungskultur haben können. Nun ist der Ägyptologe und Friedenspreisträger im Alter von 85 Jahren in Konstanz gestorben.

Im Jahresprogrammheft 2021/22 der Musikalischen Akademie Mannheim schrieb er für unsere Essay-Reihe über sein Verständnis von Musik und kulturellem Gedächtnis. Lesen Sie hier noch einmal den gesamten Beitrag.
Jan Assmann - Ägyptologe, Religionswissenschaftler und Kulturwissenschaftler (1938-2024)
„Als Schüler habe ich mich nur für Musik interessiert und wollte später Musikwissenschaft studieren. Doch nach dem Abitur verließ mich der Mut. Ich entschied mich für Archäologie und bin später in die Ägyptologie gerutscht.“

Musik und kulturelles Gedächtnis: Die Mannheimer Musikalische Akademie
von Jan Assmann
Die Entstehung von Musik-Akademien

Die Mannheimer „Musikalische Akademie des Nationaltheater-Orchesters“ wurde 1778 gegründet mit dem Ziel, die große Tradition der Konzerte der Mannheimer Hofkapelle, eines führenden Orchesters Europas, mit den Mitteln einer bürgerlichen Musikkultur fortzusetzen, nachdem der Hof 1778 mit über der Hälfte der Musiker nach München umgezogen war. Dieser Umzug hätte normalerweise das Ende des Mannheimer Konzertlebens bedeutet, aber dieses Schicksal konnten die in Mannheim verbliebenen Instrumentalisten des berühmten Hoforchesters abwenden. Sie verstärkten sich durch qualifizierte Amateure, konstituierten sich mithilfe der Stadtgesellschaft als bürgerlicher Konzertverein und veranstalteten in demokratischer Selbstbestimmung Konzerte, denen es in gleicher Weise um die Pflege der großen Tradition – Mozart und Beethoven – als auch um die Aufführung jeweils zeitgenössischer Werke ging. Dieser bürgerlichen Musikkultur sollte die Zukunft gehören. Das 19. Jahrhundert stand im Zeichen der Verbürgerlichung und zugleich der Sakralisierung der Kunst, vor allem der Musik, die in neuen Musentempeln als „Kunstreligion“ gepflegt wurde. 

Was bedeutet nun aber die Bezeichnung dieses Konzertvereins als Akademie? Was hat das mit den seit der Renaissance gegründeten wissenschaftlichen Akademien zu tun? Dass sich ein Orchester „Akademie“ nennt, ist so ungewöhnlich nicht: auch in Berlin gibt es die „Akademie für Alte Musik“ und in London die berühmte „Academy of Ancient Music“ und die „Academy of St. Martin in the Fields“. Fast zwei Generationen vor der Mannheimer Akademie wurde 1726 in London die “Academy of Vocal Music” gegründet, die sich 1731 2 in “Academy of Ancient Music” umbenannte. Sie verfolgte neben musikalischen Aufführungen noch andere Ziele, die der Bezeichnung „Akademie“ eher entsprachen, denn sie widmete sich der Sammlung und kritischen Sichtung von Werken der Vergangenheit. Solche Aktivierung eines spezifisch musikalischen Kulturgedächtnisses schien damals in der Luft zu liegen. 1731 gründeten in London Maurice Green und Christian Festing die „Apollo Academy“, der es gleichfalls um die Verbindung von Konzertaufführungen, den Aufbau eines Archivs der Musikliteratur und gelehrten Diskursen ging. Die „Sozietät der musikalischen Wissenschaften“, die 1738 Bachs Schüler Lorenz Christoph Mizler in Leipzig gründete, war kein Konzertverein, sondern tatsächlich eine reine Akademie mit auf 20 begrenzten Mitgliedern, zu denen u.a. Bach, Telemann, C.H.Graun und ab 1745 auch Händel gehörten. Bei diesen Gründungen spielte zweifellos das Bewusstsein einer Wende eine Rolle, als sich mit dem Aufkommen vorklassischer Stilrichtungen der Gegensatz zwischen „gelehrtem“ und „galanten Stil“ herausbildete und letzterer sich immer stärker durchzusetzen begann. In dieser Situation spürten die führenden Musiker und Musiktheoretiker der Zeit die Notwendigkeit, sich auf einen Kanon des zeitlos Gültigen zu besinnen. 

Kanon und Klassik 

Zur bürgerlichen Sakralisierung der Musik gehörten nicht nur eine neue Andacht des Musizierens und Hörens in säkularen Musentempeln, sondern auch heilige Texte bzw. Werke, wie wir sie normaler Weise mit dem biblischen Kanon verbinden. Was heißt in diesem Zusammenhang „Kanon“? Der Kanon ist die typische Organisationsform eines schriftkulturell verfassten kulturellen Gedächtnisses. Nur in Schriftkulturen können Archive entstehen, aus deren Beständen ein Kanon das Vorbildliche und Verbindliche auswählt. Die Funktion des Kanons lässt sich mit den Begriffen der Maßgeblichkeit, Vorbildlichkeit, 3 Autorität umschreiben. Bei der Bildung eines Kanons scheint die Empfindung einer Wende eine wichtige Rolle zu spielen, der Zeitbruch zwischen dem Alten und dem Neuen, zwischen Gegenwart und Vergangenheit. Die klassischen Werke, die einen Kanon ausmachen, stehen in einem doppelten Bezug zur Zeit: auf der einen Seite gehören sie zu einer Vergangenheit, der Klassik, die in einem charakteristischen Gegensatz zur jeweiligen Gegenwart steht. Es ist also immer die Idee eines Bruchs oder Abbruchs mitgedacht; Klassik ist etwas, was sich in keiner Gegenwart einfach fortsetzt, sondern der Vergangenheit angehört. Auf der anderen Seite aber verkörpern die klassischen Werke zeitlose Werte und Maßstäbe. Eine Klassik ist zugleich vergangen und zeitlos gültig. Dazu kommt ein zweites Paradox: sie ist Vorbild und zugleich unerreichbar, unfortsetzbar und unwiederholbar. 

Die dritte Bedingung eines Kanons ist die Ausbildung eines theoretischen und kommentierenden Diskurses. Zu einem Kanon gehört unabdingbar die Kritik, d.h. ein Diskurs über die Maßstäbe von Schönheit, Vollkommenheit und Richtigkeit, wie sie sich an den Werken des Kanons ablesen lassen. Zu diesem Zweck wurden Akademien gegründet. Vielleicht ist es kein Zufall, dass die Gründung der Mannheimer „musikalischen Akademie“ nicht nur zusammenfällt mit dem Übergang von der höfischen zur bürgerlichen Musikkultur, sondern ziemlich genau auch mit der Entstehung des im engeren Sinne klassischen Stils in der Musik. 

Was diesen „klassischen Stil“ ausmachen könnte, ist ein zu weites Feld, um es in einem kurzen Essay abzuhandeln. Ein Element des Klassischen, das eng mit meinem Thema, der Beziehung von Musik und Gedächtnis verbunden ist, lässt sich aber vielleicht in einem neuartigen Werkcharakter festmachen. Die große Leistung von Haydn, Mozart und Beethoven, die ihnen und ihren Werken den Rang des Klassischen eintrug, bestand nicht nur darin, Formen zu schaffen, die den Charakter des Endgültigen aufwiesen und Zusätze, Streichungen und 4 Umstellungen ausschlossen, also eben das, was die Komponisten des Barock an ihren Werken von Aufführung zu Aufführung vornahmen, sondern auch eine Art von Verlaufslogik befolgten. Der klassische Sonatensatz etwa erlaubt es einem mit den Formgesetzen vertrauten Hörer, sich im Ablauf des Stückes zu orientieren und zu wissen, wo in der Entfaltung der Form er sich gerade befindet, in der Exposition, der Einführung des zweiten Themas, der Durchführung, der Reprise. Das stellt zugleich ganz neue Anforderungen an das Gedächtnis. Die Aufmerksamkeit des Hörers muss nicht nur auf das Neue, sondern auch auf das in wie immer verwandelter Gestalt wiederkehrende bereits Gehörte gerichtet sein. 

Durch den Kanon eröffnet sich einer Kultur die Möglichkeit, in einer gegebenen Gegenwart die Vergangenheit nicht einfach fortzusetzen, sondern über das Gegebene hinweg auf eine normative, mehr oder weniger ferne und zeitlos gültige Vergangenheit zurückzugreifen und durch solchen Rückgriff einen Rückhalt zu gewinnen. Rückhalt durch Rückgriff, das ist die Formel, mit der sich die Funktion eines Klassikerkanons erklären lässt. Eben dies ist ganz allgemein die Funktion des Gedächtnisses, auf individueller wie auf kollektiver Ebene. Es ist unser Zeit-Sinn, mit dessen Hilfe wir uns in der Zeit orientieren und aus der Vergangenheit Vorstellungen von Zukunft entwickeln können. 

Rückhalt und Rückgriff am Beispiel Händels 

In den Kanon schafft es niemand aus eigener Kraft. Selten galt ein Komponist bereits zu Lebzeiten als kanonisch und behielt diesen Rang über seinen Tod hinaus, und oft wurde einem Komponisten oder einem Werk dieser Rang auch erst mehr oder weniger lange nach seinem Tod zuteil. Ein Kanon entsteht immer im Nachhinein, Kanonisierung ist ein Rezeptionsschicksal, ein Instrument des kulturellen Gedächtnisses, das seine Orientierung aus der Rückschau gewinnt. Hier bildet allerdings Georg Friedrich Händel eine Ausnahme, und zwar als 5 Oratorienkomponist. Mit einigen seiner Oratorien (vor allem Messias, Israel in Egypt, Judas Makkabäus, Alexanderfest) blieb er über seinen Tod hinaus permanent im Kanon und im Repertoire. Als Opernkomponist aber geriet er in Vergessenheit und wurde erst in den 20er Jahren des 20. Jahrhunderts wiederentdeckt. Bach blieb als Tastenvirtuose und -Komponist im Gedächtnis (Beethoven lernte als Schüler das Wohltemperierte Klavier und komponierte später mit wachsender Leidenschaft Fugen), geriet aber mit seiner Vokalmusik in Vergessenheit. Sein Fall ist vielleicht der Spektakulärste überhaupt in der Geschichte des musikalischen Kulturgedächtnisses. Mit der Wiederentdeckung und Aufführung der Matthäuspassion durch den 19jährigen Felix Mendelssohn-Bartholdy im Jahre 1828 setzte für Bach geradezu eine Vergötterung ein, die auf seiner vergessenen Vokalmusik beruhte und ihn als „fünften Evangelisten“ auf den Gipfel des musikalischen Kanons überhaupt emporhob. 

Ein zentrales Instrument der Kanonisierung ist die Gesamtausgabe. Auch hier war Händel vorausgegangen. Die vierzigbändige Ausgabe seiner Werke von Samuel Arnold (1787ff.) war die erste Gesamtausgabe überhaupt, die einem Komponisten zuteil wurde. Der Harfenist Stumpff hatte die 40 roten Bände der Arnoldschen Händelausgabe 1826 Beethoven kurz vor dessen Tod zum Geschenk gemacht, und es heißt, er sei mit einem Band in den Händen (und was könnte das anders sein als Messiah) gestorben. Die Blütezeit der musikalischen Gesamtausgaben war das 19.Jh., dieselbe Zeit, in der sich ein musikkritischer Diskurs entfaltete, Haydn, Mozart und Beethoven als Klassiker den Romantikern gegenübergestellt wurden und die Programme der jetzt aufblühenden bürgerlichen Musikkultur Musik der Vergangenheit favorisierten. So kommt es im 19. Jahrhundert, dem Jahrhundert des Historismus, zu einem Auseinandertreten von Alt und Neu in der Musikkultur und damit zu einer entscheidenden Wandlung des musikalischen Kulturgedächtnisses. 

Es ist aufschlussreich, dass Mozart und Beethoven, als sie vor dem Problem der Erneuerung des konventionellen Kirchenstils standen, gerade auf Händels Musik zurückgriffen. Mozart zitierte im Requiem den Eingangschor des Funeral Anthem für Königin Caroline für den Eingangschor “Requiem aeternam” und den Chor “We will rejoice” aus dem Dettingen Anthem für das “Kyrie eleison”. Dieses Kyrie kopierte und analysierte auch Beethoven bei der Arbeit an seiner Missa solemnis ohne zu ahnen, dass Mozart dabei auf Händel zurückgegriffen hatte. Besonders ließ Beethoven sich aber von Händels Messiah inspirieren und sein wörtliches Zitat der Fuge „And he shall reign for ever and ever“ aus dem Halleluja (T.41-51) im Dona nobis pacem seiner Missa Solemnis (T. 216-226) ist als eine Huldigung oder Widmung zu verstehen. Was an diesen Beispielen deutlich wird, ist der Zusammenhang von Erinnerung und Innovation im kulturellen Gedächtnis der Musik. Gerade der Rückgriff auf alte Musik oder alte Stile ermöglicht es Händel und Bach, Mozart und Beethoven, Strawinsky, Hindemith und Schönberg, sich vom Zeitgeschmack zu emanzipieren und ganz Neues zu schaffen. „Kehren wir zum Alten zurück“, schrieb Verdi 1871 in einem Brief an Francesco Florimo, „es wird ein Fortschritt sein.“ Diese Verbindung des Alten mit dem Neuen, diese Aktivierung des kulturellen Gedächtnisses im Interesse der Schaffung von Neuem, ist es, was im Namen „Akademie“ als Bezeichnung für Konzertvereine seit bald 300 Jahren mitschwingt.
4. Akademiekonzert 05./06. Feb 2024
Im vierten Akademiekonzert am 5. und 6. Februar widmen sich GMD Roberto Rizzi Brignoli und das NTO der symphonischen Fantasie Aus Italien. Solist Filippo Gorini spielt Beethovens fünftes und letztes Klavierkonzert.

1886 von Richard Strauss mit nur 22 Jahren komponiert, entsteht die symphonische Dichtung Aus Italien nach einer vorangegangenen Bildungsreise in den Süden. Fasziniert von der majestätischen Schönheit der Alpen, Roms Ruinen und den belebten Straßen Neapels, entwickeln sich diese Eindrücke zu einer fesselnden musikalischen Reise. An den Dirigenten Hans von Bülow schreibt Strauss: „Ich habe nie so recht an eine Anregung durch Naturschönheiten geglaubt, in den römischen Ruinen bin ich eines Besseren belehrt worden, da kamen die Gedanken nur so geflogen“. Das Werk bildet den Auftakt des Mannheimer Strauss-Zyklus, den Roberto Rizzi Brignoli gemeinsam mit dem NTO in den kommenden Spielzeiten fortführen wird. 

Ludwig van Beethovens Klavierkonzert Nr. 5, komponiert zwischen 1809 und 1811 während einer turbulenten Periode in Europas Geschichte, spiegelt die kraftvolle Resilienz und die triumphierende Geisteshaltung des Komponisten wider. Das Werk, das oft als "Emperor-Konzert" bezeichnet wird, ist berühmt für seine majestätische Energie und die anspruchsvolle Verbindung von Orchester und Klavier. Die dynamische Ausdruckskraft und das innovative Zusammenspiel von Klavier und Orchester ist wie gemacht für den italienischen Pianisten Filippo Gorini, 1. Preisträger des Beethovenwettbewerbs von 2015.

 

Kunsthalle Mannheim 
Samstag, 27. Januar 2024 - 19 Uhr
Im Rahmen der Reihe LIVE IM ATRIUM präsentiert die Kunsthalle Mannheim Kammerkonzerte, Performances und musikalische Interventionen, die die Ausstellungen der Kunsthalle Mannheim begleiten.
Konzert mit der Musikalischen Akademie des Nationaltheater Orchester e. V. zur Ausstellung „Hager Hoover Lassnig“ und der Gelegenheit zum Ausstellungsbesuch.                                 
Die Vielfältigkeit der experimentierfreudigen und innovativen Künstlerinnen Hoover, Hager und Lassnig spiegelt sich in dieser außergewöhnlichen Auswahl an Komponisten wider, die im 20. Jahrhundert gleichermaßen Akzente gesetzt haben. Krasse Brüche, Abgrenzungen wie changierende Übergänge und die damit einhergehende eigene Befreiung weisen in beiden Genres über die eigene Epoche hinaus. Dabei hält sich Ernest Bloch in seiner Suite für Violoncello solo Nr. 1 noch an traditionelle Formen nach dem Vorbild Bachs. Im Gegensatz dazu sprüht Leonard Bernsteins Klaviertrio vor farbenfrohen Ideen und hält mit Folklore und Jazzklängen einige Überraschungen bereit. Große Bekanntheit erlangte Samuel Barber mit dem zweiten Satz seines Streichquartetts. Das melancholische Adagio, meist als Bearbeitung für Streichorchester gespielt, erklang bei den Begräbnissen berühmter Persönlichkeiten wie Roosevelt oder Einstein. Den Facettenreichtum der Musik von 1930 bis heute ergänzen zwei Kompositionen für Marimbaphon, dessen stimmungsvoller Klang wie geschaffen für das Atrium der Kunsthalle ist. 

Programm
Ivan Trevino (*1983) 
Catching shadows (2013)
Marimba duo

Ernest Bloch (1880 – 1959) 
Suite für Violoncello solo Nr. 1 (1956) 
I. Prelude 
II. Allegro 
III. Canzona 
IV. Allegro 

Samuel Barber (1910 – 1981) 
Streichquartett h-Moll op. 11 (1936) 
I. Molto allegro e appassionato 
II. Molto adagio – Molto allegro (come prima) – Presto

--------- 45 Min. Ausstellungsbesuch-------- 

Michael Burritt (*1962) 
Sweet Dreams and Time Machines (2017)
Marimba Duo

Leonard Bernstein (1918 – 1990) 
Klaviertrio (1937) I. Adagio non troppo - Più mosso - Allegro vivace 
II. Tempo di marcia III. Largo - Allegro vivo et molto ritmico


Violine Sabine Lehr 
Violine Yurie Tamura 
Viola Alexander Petersen 
Violoncello Eun-Ae Junghanns
Klavier Asli Kilic 
Marimbaphon Jens Knoop 
Marimbaphon César Larenas
© 
Tickets: 25,- €, ermäßigt: 20,- €
Anmeldung im Online Ticket-Shop der Kunsthalle Mannheim.

linkedin facebook pinterest youtube rss twitter instagram facebook-blank rss-blank linkedin-blank pinterest youtube twitter instagram