Vielbeachtet – auch überregional – waren und sind die Auftragswerke, die die Musikalische Akademie seit 1991/92 an profilierte zeitgenössische Komponisten jährlich vergibt. Initiator dieser Uraufführungs-Serie ist der ehemalige 1. Vorsitzende der Musikalischen Akademie, Eginhard Teichmann. Gemeinsam mit Dr. Karl Heidenreich sicherte er die Finanzierung der Reihe bis ins Jahr 2008: sie wurde von 1993 bis 2008 von der Südwestdeutschen Landesbank beziehungsweise ihrer Rechtsnachfolgerin, der Landesbank Baden-Württemberg, gefördert. Die Werke, die seit 1991/92 regelmäßig pro Saison aufgeführt werden, sind allesamt Auftragswerke.

Der in Mannheim als Sohn des Kantors der jüdischen Gemeinde geborene amerikanische Komponist Samuel Adler eröffnete mit „Shir Ha Ma´alot“ für Bläserquintett und Orchester die Reihe der Auftragswerke der Musikalischen Akademie des Nationaltheater-Orchesters Mannheim.

Es finden sich in der Liste unserer Komponistinnen und Komponisten aufstrebende Neutöner wie Edward Rushton und Moritz Eggert, daneben aber auch arrivierte Namen wie Younghi Pagh-Paan, Giselher Klebe und Detlev Glanert, über die Klassikszene hinaus bekannte Stars wie Fazıl Say oder der Grammy-Gewinner Richard Danielpour.

© Guy Vivien

Aktuelle Uraufführung

Oscar Strasnoys großer Verdienst als zeitgenössischer Komponist ist es, das schon tot und begraben geglaubte Genre der Operette in die Neue Musik hinübergerettet zu haben. Auch sonst kennt der in Argentinien geborene Strasnoy keine Vorurteile in Sachen Musik, vertont William Faulkner zur Oper, Kafka zur Kantate und komponiert konsequent anachronistisch veritable Liederzyklen … Auf Strasnoys Ideen für die Musikalische Akademie Mannheim, die ein neues Werk für Orchester bei ihm in Auftrag gegeben hat, darf man freudig gespannt sein!

Biografie

Oscar Strasnoy wurde am 12. November 1970 in Buenos Aires geboren; er beruft sich auf seine russischen Wurzeln; in seiner Familie gibt es anerkannte Musiker (sein Vater ist Bratschist, ein Onkel und eine Tante sind Komponisten).  Geprägt durch seine argentinische Kindheit (erste Studien in Klavier, Komposition und Orchesterleitung am Conservatorio Nacional in Buenos Aires) und früh nicht willens, Tangos zu komponieren und in die Mühlen der „europäischen Standardmusik“ zu geraten, erklärt dieser Strasnoy, dass seine Lage „ein bisschen kompliziert war“ … Und so entscheidet er sich für Europa. Der erste Impuls führt ihn nach Wien, wo er auf eine Zusammenarbeit mit dem Komponisten und Dirigenten Michael Gielen hofft; die kommt einige Jahre später mit Hans Zender an der Musikhochschule in Frankfurt am Main zustande, wo er sich mit Pierre Boulez’ Vokalkomposition Pli selon pli auseinandersetzt. In der Zwischenzeit lässt er sich in Paris nieder, wird zum Studium am Conservatoire National Supérieur de Musique zugelassen.
Strasnoy trifft Schritt für Schritt seine eigenen Entscheidungen und verfeinert sie als mehrfacher „Composer in residence“: 1999 im Rahmen des Programms „Villa Medici extra muros“, 2001/02 an der Akademie Schloss Solitude in Stuttgart, 2003 in der Villa Kujoyama in Kyoto und 2007 mit einem Guggenheim-Stipendium in New York. Er betätigt sich gelegentlich als Dirigent, führte von 1996 bis 1998 das Orchestre du CROUS in Paris und leitete auch das Orchestre National d’Ile-de-France, das Ensemble 2e2m und das Philharmonische Orchester Nizza. Als Pianist gründete er das Quintett Ego Armand, aber inzwischen ist das Klavierspiel für ihn nicht mehr aktuell. Seine ganze Energie gilt heute dem Komponieren und dem Reflektieren über das Wie und Warum …
Ein großes Œuvre ist im Entstehen. Es hat schon einige Zustimmung durch Auszeichnungen erfahren – Prix de l’Académie du Disque Lyrique für die Einspielung der Hochzeitsvorbereitungen (mit B und K); Grand Prix de la musique symphonique, SACEM – und Einladungen an prominente Orte nach sich gezogen: Centre Acanthes, Metz, im Juli 2011; „compositeur invité“ des Festival Présences 2012 in Paris. Nebenbei sei noch erwähnt, dass Strasnoy als Mensch mit weitem Horizont (aber ohne besonderes Interesse für Improvisation und „offene“ Werke) etwas für Kabarettlieder übrig hat, wie seine Zusammenarbeit mit Ingrid Caven belegt.
(Claude Samuel – Zur Webseite)

Auftragswerke der Musikalischen Akademie

© Aiga Photography

2017/18

Alissa Firsova

Die Windsbraut – Oskar Kokoschkas berühmtes Gemälde von sich und seiner Geliebten Alma Mahler in nächtlichem Taumel ist die aufregende Inspiration für die zentrale Uraufführung der Spielzeit 2017/18. Die russisch-britische Pianistin und Komponistin Alissa Firsova stammt aus einer Familie von Komponisten, sie schreibt Musik, seit sie 14 ist, Musik, die mittlerweile in der ganzen Welt aufgeführt wird – und man darf gespannt sein, wie sie die wilde Geschichte von Oskar und Alma für diese Auftragskomposition des NTO in Orchestersprache überführt…

Stück: Die Windsbraut PDF Runterladen

Dirigent: Alexander Soddy

2016/17

Johannes Brahms / Detlev Glanert

In seinem op. 122 hat Johannes Brahms in der Melancholie seines letzten Lebensjahres elf seiner meisterlichen Choralvorspiele für die Orgel nach Luther-Chorälen versammelt. Detlev Glanert, Spezialist für faszinierende Orchesterwirkungen, hat die Stücke jetzt für großes Orchester bearbeitet, ein Kompositionsauftrag, den ihm das NTO und das Philadelphia Orchestra erteilt haben. Die Mannheimer sind hier – nicht zuletzt auf Wunsch des neuen GMD Alexander Soddy – Wiederholungstäter: Glanert, der auch schon „Composer in Residence“ am Nationaltheater war, ist der erste Komponist, der vom NTO ein zweites Mal für eine Uraufführung eingeladen wurde. Der einstige Henze-Schüler schreibt seine immer enorm wirkungsvolle Musik nach eigenem Bekunden „für Menschen, nicht fürs Nachtprogramm“, und man darf gespannt sein, was der Klangfetischist Glanert in die brahmsschen Choralmeditationen hineinhört …

Hier gehts zum Konzert der Uraufführung.

Stück: Choralvorspiele aus op. 122

Dirigent: Alexander Soddy

  • 2015/16

    David Philip Hefti

    Arioso Beziehungsweisen für Orchester

    Hefti PDF Runterladen

  • 2014/15

    Tomi Räisänen

    Theia

    Inkinen PDF Runterladen

  • 2013/14

    Jia Guoping

    The Pine-Soughing Valleys

    Ettinger PDF Runterladen

  • 2012/13

    Richard Danielpour

    Vox Humana

    Ettinger PDF Runterladen

  • 2011/12

    Fazil Say

    Hezarfen

    Ettinger PDF Runterladen

  • 2010/11

    Moritz Eggert

    Mannheimer Schule für großes Orchester

    Kober PDF Runterladen

  • 2007/08

    John Casken

    Concerto for Orchestra

    Layer PDF Runterladen

  • 2006/07

    Bernd Franke

    On the Square

    Kober PDF Runterladen

  • 2005/06

    Edward Rushton

    Emissions

    Chaslin PDF Runterladen

  • 2004/05

    Samuel Adler

    Man lebt nur einmal

    Tanzsuite - Sommer PDF Runterladen

  • 2003/04

    Alexander Goehr

    Adagio

    Fischer PDF Runterladen

  • 2002/03

    Giselher Klebe

    Symphonie Nr.7

    Layer PDF Runterladen

  • 2001/02

    Ulrich Leyendecker

    Pensées sur un Prélude

    Debussy-Variationen für Orchester – Fischer PDF Runterladen

  • 2000/01

    John Corigliano

    The Mannheim Rocket

    Fischer PDF Runterladen

  • 1999/2000

    Violetta Dinescu

    TABAR

    f. 4 Schlagzeuger u. Orchester – Märkl PDF Runterladen

  • 1998/99

    Nikolaus Huber

    Modell im Rückspiegel

    f. Orchester – Märkl PDF Runterladen

  • 1997/98

    Detlev Glanert

    Katafalk

    Metamorphosen f. gr. Orchester – Märkl PDF Runterladen

  • 1996/97

    Robert Wittinger

    Symphonie Nr.4 op. 48

    Märkl PDF Runterladen

  • 1995/96

    Gia Kantscheli

    Konzert f. Blechbläserquintett und Orch.

    Mannheim Brass/Märkl PDF Runterladen

  • 1994/95

    Oskar Gottlieb Blarr

    Sinfonie Nr.2 "Jerusalem"

    für Bariton u. Orchester – Zawisza/Märkl PDF Runterladen

  • 1993/94

    Manfred Trojahn

    Cornisches Nachtlied

    (aus "Drei Stücke zu Merlin") - Märkl PDF Runterladen

  • 1992/93

    Younghi Pagh-Paan

    Hong / ständig wiederkehrend...

    Märkl PDF Runterladen

  • 1991/92

    Samuel Adler

    Shir Ha Ma´alot

    Bläserquintett u. Orchester – Ma´alot-Quintett/Gómez-Martínez PDF Runterladen