Benefizkonzert

  • 20. Okt 2019, 19:30 Uhr
  • Kunsthalle Mannheim, Atrium
  • Alexander Soddy
  • Klavier
  • Olga Pogorelova
  • Violine
  • Patrick Koch
  • Klarinette
  • Fritjof von Gagern
  • Violoncello
  • Ulrike Hupka
  • Horn
  • Olivier Messiaen (1908–1992)
  • Appel interstellaire für Horn solo

  • Claude Debussy (1862–1918)
  • Première rapsodie für Klarinette und Klavier

  • Maurice Ravel (1875–1937)
  • Sonate für Violine und Klavier

  • Olivier Messiaen (1908–1992)
  • Quatuor pour la fin du temps

© Stefano Lunardi

Alexander Soddy

Klavier

In Kooperation mit der Kunsthalle Mannheim widmen sich GMD Alexander Soddy und vier NTO-Solisten dem französischen Komponisten Olivier Messiaen. Mit seinem evokativen Quartett über das Ende der Zeit wollen sie neugierig machen – und so die Realisierung der farbenprächtigen Turangalîla-Symphonie im 2. Akademiekonzert unterstützen. Messiaens Appel interstellaire, Debussys Première rapsodie und Ravels Sonate für Violine und Klavier ergänzen das durch und durch französische Benefizprogramm.

© Jens Luebkemann

Olga Pogorelova

Violine

© Fabian Hallabrin

Patrick Koch

Klarinette

© Marcel Götz

Fritjof von Gagern

Violoncello

© Jens Luebkemann

Ulrike Hupka

Horn

Während die Kriegszeit für Messiaen ohne nennenswerte Zwischenfälle begann, geriet er 1940 in deutsche Kriegsgefangenschaft. Trotz schwerster Verhältnisse genoss er in dieser Zeit als Komponist einen gewissen Vorzug gegenüber anderen Gefangenen – so durfte er beispielsweise die mitgeführten Taschenpartituren von Beethoven, Ravel und Strawinsky behalten, und man versorgte ihn mit Papier und Bleistiften, damit er seine Kompositionsarbeit weiterverfolgen konnte. 1941 entstand dann das Quartett. „Nachdem Messiaen das Quatuor komponiert hatte, gingen wir jeden Tag um 18 Uhr nach Dienstschluss in die Theaterbaracke zur Probe“, berichtete später Cellist und Mitgefangener Étienne Pasquier. „Für Messiaen hatte man ein Klavier besorgt, bei dem schon die Tasten hängen blieben. Alle wollten kommen, um uns zu hören, auch die Lagerleitung. Alle Plätze waren besetzt … und man lauschte andächtig, in großer Verinnerlichung, einschließlich derer, welche Kammermusik vielleicht zum ersten Mal hörten. Es war wundersam …“

Bereits bei der Uraufführung soll Messiaen sein Publikum darüber unterrichtet haben, dass er mit dem Quatuor keinen Kommentar über das Ende der Kriegszeit oder der Gefangenschaft habe abgeben wollen, sondern dabei das „Ende der Vorstellungen von Vergangenheit und Zukunft“, also die Auslöschung der Zeit und den Beginn der Ewigkeit, im Sinn gehabt habe. Dieser neue Begriff von der Zeit („une nouvelle notion du temps“) setzt sich in seinen unkonventionellen Rhythmen und komplett neuen Taktschemata durch, die den konventionellen Lauf der Zeit, oder zumindest das gewohnte Verständnis davon, für einen Moment mit musikalischen Mitteln zu suspendieren suchen.

Für die Aufführung des Quartetts hätten sich die NTO-Musiker kaum eine suggestivere Kulisse als das Atrium der Kunsthalle Mannheim aussuchen können: Alicja Kwades schwingende Uhr, Zentralgestirn der Mannheimer Kunstsammlung, scheint in ihren kosmischen Bahnen von Messiaens Zeitphilosophie – von den Grundlagen der Weltordnung, den Begriffen der Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft – regelrecht zu singen! Messiaens philosophisches und kompositorisches Interesse für kosmische Periodizitäten und Symmetriebildungen aller Art, sein Sinn für komplexe rhythmische Variationen, die beispiellose Transkription von Vogelgesängen, die immer wieder in den Melodien des selbsternannten Ornithologen aufblitzen – all das gipfelt in einem sublimen musikalischen Moment, der alles andere als düster anmutet: „Der Abgrund, das ist die Zeit, mit ihren Traurigkeiten, ihren Müdigkeiten. Die Vögel, das ist das Gegenteil der Zeit; das ist unser Wunsch nach Licht, Sternen, Regenbögen und jubelnden Vokalisen!

Voranmeldung per Mail über service@musikalische-akademie.de oder telefonisch unter 0621 260 44.

 

Zusammen mit GMD Alexander Soddy hat die Musikalische Akademie sich entschieden, in ihrer 241. Spielzeit erstmalig Olivier Messiaens gigantische Turangalîla-Symphonie in Mannheim aufzuführen. 1946–48 komponiert, zählt dieses riesige, ungemein farbenreiche und poetische Stück zu den großen Schlüsselwerken des 20. Jahrhunderts. Für dieses besondere Konzert bringt die Akademie über hundert Musikerinnen und Musiker auf die Bühne, darunter die beiden Messiaen-Spezialisten David Kadouch (Klavier) und Thomas Bloch (Ondes Martenot). Darüber hinaus ist mit dem Nationaltheater Mannheim als Koproduzenten eine CD-Einspielung beim Label OehmsClassics geplant.