23. Dezember 2019

Patrick Koch im Gespräch

Seit dem 26. Oktober 2019 hat die Musikalische Akademie einen neuen Geschäftsführer: den 27-jährigen Patrick Koch. Wir haben uns mit ihm zusammengesetzt und ihn – über einem doppelten Espresso – mit Fragen gelöchert.

 

Akademie: Hallo Patrick! Erzähl uns etwas über dich.

 

Patrick Koch: Ich bin 1992 in Tübingen geboren, habe in Stuttgart studiert und bin seit zwei Jahren Erster Soloklarinettist am Nationaltheater Mannheim. Mit acht habe ich angefangen Klarinette zu spielen – bei meinem Vater, der auch Klarinettist ist –, weshalb der Weg für mich immer relativ deutlich vorgezeichnet war. Ich bin auch ziemlich glücklich, dass es genau so funktioniert hat, wie ich es mir von klein auf vorgestellt habe: Ich wollte einfach Musik machen, so wie eben mein Vater auch. Von meinen Eltern habe ich dahingehend immer viel Unterstützung erfahren.

 

Akademie: Du hast im November Fritjof von Gagern, unseren Ersten Solocellisten, als Geschäftsführer abgelöst. Was hat dich dazu bewegt, dich für den Posten zu bewerben?

 

Koch: Ich habe, seitdem ich in Mannheim bin, mit großem Interesse verfolgt, was in der Akademie passiert, weil die Organisationsform in Deutschland tatsächlich einzigartig ist. In verschiedenen Gesprächen mit Kollegen habe ich dann erfahren, dass die Akademiekonzerte zwar eine große Tradition hatten und haben, es aber in der Vergangenheit auch immer wieder Punkte gab, wo alles auf der Kippe stand. Daher stand für mich von Anfang an fest, dass man Verantwortung übernehmen muss. Natürlich ist es eine große Aufgabe, aber ich sehe es auch als Chance, Bereiche kennenzulernen, mit denen man sich als Musiker nicht unbedingt jeden Tag auseinandersetzt. Aber meine Vorgänger waren ja auch Orchestermusiker, daher hat man Vertrauen, dass man das schaffen kann – und wenn nicht, sind sie ja alle noch im Orchester, sodass ich mir im Notfall Rat einholen kann.

 

Akademie: Du mischst jetzt also zum ersten Mal auch hinter den Kulissen mit. War das erst einmal eine Umstellung für dich? Oder geht es gut mit deiner Tätigkeit als Musiker zusammen?

 

Koch: Es ist ein großer und nicht zu unterschätzender Aspekt, dass man die Konzertprogramme selbst gestalten, und so auf seinen unmittelbaren Arbeitsalltag als Musiker Einfluss nehmen kann, was bei anderen Orchestern nicht unbedingt der Fall ist. Insofern passt es also ganz gut zusammen. Aber natürlich war es auch erstmal ein Sprung ins kalte Wasser, ganz abgesehen von den Summen, über die man mit einer Unterschrift verfügt.

 

Akademie: Welche Aufgabe macht dir bis jetzt am meisten Spaß?

 

Koch: Vor allem die Aufgaben, die man sonst eigentlich wahrscheinlich nie kennengelernt hätte. Mit Marketingstrategien hätte ich mich zum Beispiel sonst eher weniger befasst, was man jetzt aber tun muss, um mitreden zu können, oder …

 

Akademie: … Geschäftsbericht, Finanzbuchhaltung …

 

Koch: (lacht) Am meisten Spaß machen mir natürlich die Jours fixes mit unseren beiden Mitarbeiterinnen!

 

Akademie: Wenn du ins Büro kommst, dann machst du zuerst …

 

Koch: Zuerst stelle ich meine Klarinette im Geschäftsführerzimmer ab. Dann frage ich, ob es einen Kaffee gibt oder koche ihn im Zweifelsfall selbst.

 

Akademie: Wie sieht dann der restliche Tag für dich aus?

 

Koch: So etwas wie einen typischen Arbeitstag gibt es für mich eigentlich nicht, weil unser Dienstplan immer anders aussieht. Es kommt auch ein bisschen darauf an, was in der Akademie gerade anfällt, momentan ist viel Administratives zu erledigen. Als Musiker muss man deshalb auch schauen, wann man zum Üben kommt. Meistens bin ich dafür aber eh am Theater und kann so das Angenehme mit dem Nützlichen verbinden.

 

Akademie: Und welches Projekt beschäftigt dich gerade am meisten?

 

Koch: Ganz klar: Das neue Spielzeitdesign und die Kampagnenplanung für 2020/21.

 

Akademie: Was machst du in deiner Freizeit?

 

Koch: Ich fahre gern Fahrrad und gehe laufen. Ich habe auch ein kleines Orchester, was ich nebenbei leite, das macht sehr viel Spaß. Und ich lese viel und gern – gerade zum Beispiel Die Tyrannei des Schmetterlings von Frank Schätzing.

 

Akademie: Welches Musikstück sollte deiner Meinung nach jeder mindestens ein Mal gehört haben?

 

Koch: Ich zitiere jetzt den alten Lehrer meines Professors: „Wer Schuberts Streichquintett C-Dur nicht kennt, ist kein Musiker.“ Das ist ein sehr überspitzt formulierter Satz, aber es steckt ein wahrer Kern drin.

 

Akademie: Hat sich deine Sicht auf den Musik- bzw. Kulturbetrieb geändert, jetzt da du sie jetzt auch verstärkt von der organisatorischen Seite kennenlernst?

 

Koch: Definitiv, weil man dadurch erst so richtig anfängt zu realisieren, was für ein Apparat dahintersteckt, insbesondere, da man als Orchestermusiker einfach in die Probe geht und ein Konzert vorbereit. Man kann schnell meckern oder sich beschweren, aber wenn man sieht, wie viel Zeit und Mühe in so etwas reingeht, ist man manchmal lieber erstmal ruhig und versucht, manche Dinge selbst zu lösen.

 

Akademie: Was willst du in deiner – zunächst einmal ersten – Amtszeit als Geschäftsführer erreichen?

 

Koch: Ein konkretes Ziel wäre natürlich, dass sich die positive Entwicklung der letzten Jahre fortsetzt und wir unsere Abonnentenzahlen weiter steigern können. Im künstlerischen Sinne ist schön, dass wir viele profilierte Solisten und Dirigenten bei uns willkommen heißen können – ein großer Vorteil der Akademie ist ja, dass wir uns selber aussuchen, wen wir einladen, auch wenn der finanzielle Spielraum manchmal begrenzt ist. Neulich hat Marek Janowski einen spannenden Satz gesagt: Die Arbeit, die man tut, ist nie beendet, das Ziel ist nie erreicht, es muss immer weitergehen. Wenn man meint, man habe das Ziel erreicht, geht es eigentlich schon wieder rückwärts.

 

Akademie: Wie oft checkst du täglich deine Mails?

 

Koch: Wahrscheinlich zu oft, weil das durch die Handys einfach sehr schnell geht. Vielleicht sollte ich darüber nachdenken, mich auf ein Mal morgens, mittags und abends zu beschränken, und alles andere Zwischendurch nur zur Kenntnis zu nehmen und nicht zu bearbeiten. Aber an der Balance arbeite ich noch.