13. Januar 2020

Im Fokus: Jean-Jacques Goumaz

Die schöne Tradition der Auftritte orchestereigener Solisten wird fortgesetzt – mit unserem Solo-Oboisten Jean-Jacques Goumaz! Im Rahmen des 4. Akademiekonzerts am 20. & 21. Januar 2020 haben wir mit ihm über seinen Werdegang, die Probenarbeiten für das kommende Konzert und Richard Strauss gesprochen.

 

Musikalische Akademie: Jean-Jacques, du bist seit über 15 Jahren Erster Solo-Oboist des Nationaltheater-Orchesters. Wie bist du zur Oboe gekommen?

 

Jean-Jacques Goumaz: Ich weiß noch, wie wir in ein Familienkonzert gegangen sind, da war ich etwa sieben Jahre alt. Da gab es ein unglaublich schönes Oboensolo, das mich so fasziniert und berührt hat, dass ich sofort dieses Instrument spielen wollte. Das hat mich nicht mehr losgelassen.

 

MA: Und wie ging es dann für dich weiter?

 

Goumaz: Angefangen habe ich in meiner Heimatstadt Fribourg, für das Studium ging es dann nach Bern und London. Schließlich kam ich nach München und zu François Leleux, der für mich als Musiker die größte Inspiration war. Das war der Weg. Dann noch im Studium die Stelle in Mannheim zu gewinnen, war ein sehr schönes Gefühl.

 

MA: Deine kulturellen Einflüsse sind Französisch, trotzdem verstehst du dich als Wahl-Mannheimer …

 

Goumaz: Ich habe mich hier immer willkommen gefühlt. Die Menschen sind sehr offen und auch im Dialog unkompliziert: Man weiß sehr schnell, woran man ist. Es ist ein grundguter Charakter, den die Leute und diese Stadt haben. Auch das Nationaltheater ist eine Schatzkiste mit einer geschichtlichen Größe, die weit in die Vergangenheit reicht. Dass das Haus mit der Generalsanierung in eine noch schönere Hülle gepackt wird, ist toll.

 

MA: Gab es ein Erlebnis, das dich in der Zeit am Nationaltheater besonders geprägt hat?

 

Goumaz: Im Prinzip ist es jeden Tag ein Wunder, wenn man Musik machen darf. Natürlich gibt es Momente mit Musikern wie Adam Fischer und jetzt Alexander Soddy, die einem besonders viel geben. Aber wirklich jeder Mensch, der hier war, hat unfassbar viel geleistet. In diesem Sinne freue ich mich einfach, täglich mit Menschen zusammenzuarbeiten, die mit ihrer Musik ihre Leidenschaft ausdrücken.

 

MA: Im kommenden Akademiekonzert spielst du das Oboenkonzert von Richard Strauss, das 1945 entstanden ist. Was bedeutet das Werk für dich?

 

Goumaz: Ich deute es als Hoffnungsbotschaft. Man hört den Wehmut, es wird nach Antworten gesucht. Gleichzeitig bringt es auch zum Ausdruck, dass trotz dieses Zustands der Zerstörung Leben und Liebe wieder in Erscheinung treten können. Dass Strauss uns gerade zum Ende seines Lebens diese Botschaft gibt, ist bemerkenswert: Es gibt Hoffnung auch in der Zerstörung.

 

MA: Die Vorbereitungen für das Konzert gehen diese Woche in die heiße Phase. Wie gestaltet sich die Probenarbeit für dich?

 

Goumaz: Zuerst ist man allein mit dem Werk, dann gibt es eine zweite Vorbereitungsphase mit Klavier. Hier habe ich eng mit Alexander Soddy zusammengearbeitet. Auch die Weisheit der Kollegen war mir dabei sehr wichtig, es wurden also alle mit ins Boot geholt. Im letzten Schritt wird das Stück schließlich mit dem gesamten Orchester geprobt, das beginnt diese Woche. Das sind schon mal die äußeren Aspekte der Vorbereitung. An sich kann man die Arbeit an so einem Werk aber nie als abgeschlossen bezeichnen: Allein physisch kommt man immer wieder aufs Neue an seine Grenzen, die man in dem Moment überwinden muss. Ich glaube der Clou ist, die Herausforderungen der Komposition zentriert anzugehen und die Freude am Werk triumphieren zu lassen.

 

MA: Wie ist es für dich, auf der großen Bühne des Rosengartens als Solist aufzutreten?

 

Goumaz: Dort zu stehen sehe ich als eine wunderbare Gelegenheit, mich zu bedanken. Bei meiner Familie, meinen Freunden, dem Orchester, bei dem Publikum – es ist eine Ehre, dieses Stück interpretieren und so etwas zurückgeben zu dürfen. Im Prinzip ist es auch ein Dank an den Komponisten: Es geht ja gar nicht um mich, sondern um das Werk. Daraus möchte ich das volle Potenzial schöpfen.